Erfinder der Tigerente
Janosch stirbt mit 95 Jahren
Die Tigerente, ein zotteliger Bär und ein freundlicher Tiger machten ihn berühmt: Janosch verfasste Kinderbücher wie «Oh, wie schön ist Panama», «Post für den Tiger» und «Komm wir finden einen Schatz».
Der Kinderbuchautor und Illustrator schuf mehr als 150 Bücher, sie wurden in über 30 Sprachen übersetzt. Mit 95 Jahren ist er auf Teneriffa gestorben, wie sein Verleger Bernhard Feil am Mittwoch in Tübingen mitteilte. Auf die Kanareninsel hatte er sich 1980 mit seiner Lebensgefährtin Ines zurückgezogen.
Geboren wurde Janosch am 11. März 1931 als Horst Eckert im oberschlesischen Zabrze. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er mit seinen Eltern aus Schlesien nach Oldenburg, ging später für einige Probesemester an die Kunstakademie nach München, bevor er freier Maler wurde. 1960, im Alter von 29 Jahren, zeichnete er sein erstes Kinderbuch: «Die Geschichte von Valek dem Pferd».
2010 kündigt er von Teneriffa aus an, er werde keine weiteren Bücher schreiben. Fortan widmete er sich ganz dem Malen. 2013 übernahm Janosch im «Magazin» der Wochenzeitung «Die Zeit» eine wöchentliche Bilder-Kolumne.
Durchbruch mit «Oh, wie schön ist Panama»
Der Durchbruch als Kinderbuchautor gelang ihm 1978 mit «Oh, wie schön ist Panama», das mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde: Wegen des unvergleichlichen Dufts einer Bananenkiste machen sich die Freunde Tiger und Bär mit ihrer gelb-braun gestreiften Tigerente auf den Weg nach Panama, dem Ort ihrer Sehnsucht. Am Ende sind sie wieder zu Hause gelandet – und glücklich. 1980 kam der genauso erfolgreiche Band «Post für den Tiger» in die Buchhandlungen.
Janosch illustrierte und schrieb auch für Erwachsene. Im Reclam-Verlag erschienen im typischen Kleinformat auch grosse Werke. Etwa das «Wörterbuch der Lebenskunst» oder das «Notizbuch für alle Lebenslagen».
Seine Protagonisten brauchten nicht viel, um glücklich zu sein: einen Freund, zu essen und zu trinken, viel Sonnenschein, Musse zum Träumen, viel Zeit und eine gesunde Umwelt mit Bächen, in denen sich Forellen wohlfühlen, und mit Wäldern, in denen Pilze und Beeren wachsen.
Kindheit war «die Hölle»
In Interviews mit seiner Biografin Angela Bajorek erzählte Janosch von seiner Kindheit, die alles andere als idyllisch war: Armut, beengte Wohnverhältnisse, ein strenger Pfarrer machte ihm Angst vor Gott, der Vater war ein gewalttätiger Alkoholiker, die Mutter eine vermeintlich fromme, kalte Frau. «Die Hölle. So erinnert Janosch seine Kindheit. Er sagte, dass die ersten Lebensjahre seine Persönlichkeit völlig zerstört hätten», erzählte Bajorek 2016 im Deutschlandfunk.
Gewalt taucht in Janoschs Kindergeschichten nicht auf. Dort werden Probleme und Streitigkeiten anders gelöst: Da hört man einander zu, findet Kompromisse und lässt auch den Freund, Nachbarn oder entfernten Bekannten mal recht haben oder im Spiel gewinnen, weil auch das zur Lebenskunst gehört. (epd/ dst)