Jährlich 250 Fälle von Menschenhandel in der Schweiz

Menschenhandel ist auch in der Schweiz ein Problem, doch nicht alle Fälle werden aufgedeckt. Ein Informationsbus soll nun die Bevölkerung für das Problem sensibilisieren.


Jedes Jahr werden in der Schweiz über 250 Opfer von Menschenhandel entdeckt. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein. Darum schicken Organisationen und Behörden ein Jahr lang einen Informationsbus auf Tournee durch die Schweiz.

Der Bus wurde am 18. Oktober, dem Tag gegen Menschenhandel, in Bern eingeweiht. Ziel sei es, die Öffentlichkeit auf dieses Verbrechen aufmerksam zu machen, wie das Eidgenössische Justiz und Polizeidepartement (EJPD) in einer Mitteilung schreibt.

Leid bleibt oft unerkannt

«In der Schweiz werden Kinder, Frauen und Männer zum Betteln gezwungen, zur Prostitution genötigt oder als Arbeitskraft ausgebeutet», schreibt das EJPD. Opfer von Menschenhandel seien vor allem im Sex-, Bau- und Gastgewerbe, in der Hauswirtschaft, in der privaten Pflege und in der Landwirtschaft anzutreffen.

Die meisten davon blieben unerkannt und erlitten täglich grosses Leid. «Sie sind Opfer von Kriminellen, die die Abhängigkeit und Verletzlichkeit dieser Menschen ausnutzen.»

Opfern von Menschenhandel sei ihr Leid oft auf den ersten Blick nicht anzusehen. «Ein Gesicht verrät nicht immer, was ein Mensch durchgemacht hat», schreibt das EJPD. Dahinter verborgen sei vielleicht eine Frau, die sexuell ausgebeutet wird und Gewalt erleiden muss. Oder es sei ein Mann, der sich unter falschen Versprechungen habe anwerben lassen, und der «für wenig oder gar kein Geld» arbeiten müsse.

Bevölkerung aufklären, Menschenhandel bekämpfen

Der Informationsbus wird ein Jahrlang mit Erfahrungsberichten von Opfern, Zahlen und Erklärungen zum Thema unterwegssein und in verschiedenen Städten haltmachen.  Ebenfalls am 18. Oktober beginnen die Schweizerischen Aktionswochen gegen Menschenhandel, die bis zum 3. November dauern. In mehreren Kantonen finden Veranstaltungen statt.

Lanciert wurde der Informationsbus gegen Menschenhandel vom Schweizer Büro der Internationalen Organisation für Migration (IOM) und der Fondation neuchâteloise pour la coordination de l‘action sociale (FAS). Sie wurden dabei von verschiedenen Bundesstellen unterstützt. (sda)