Italienische Kirchen senden wegen Flüchtlingskrise Hilferuf

Der Bund Evangelischer Kirchen in Italien ersucht kirchliche Partner in Europa um Hilfe bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise. Mit Geld allein sei es aber nicht getan.

Ankunft von Flüchtlingen im italienischen Hafen Reggio Calabria.
Ankunft von Flüchtlingen im italienischen Hafen Reggio Calabria. (Bild: Keystone / Giuseppe Lami)

In einem Schreiben an die ökumenischen Partner in Europa unterstreicht der Bund Evangelischer Kirchen in Italien (FCEI), dass die Unterbringung der über das Mittelmeer angekommenen Migranten das Land vor enorm grosse Herausforderungen stelle. Der Bund bittet deshalb die kirchlichen Partner in Europa um Unterstützung.

Feindliches Klima

Die Mitgliedskirchen des FCEI engagierten sich für diese Menschen, aber sie täten dies in einem gesellschaftlichen Klima zunehmender Spannungen und wachsenden Misstrauens, heisst es in dem Schreiben, aus dem auf der Seite der Evangelisch-methodistischen Kirche in der Schweiz (EMK) zitiert wird. «Wie in anderen Ländern werden auch in Italien jene, welche Migranten helfen, beschuldigt, die nationalen Interessen zu verraten – dies in einer Zeit einer anhaltenden Wirtschaftskrise und einer hohen Arbeitslosigkeit.»

Damit der FCEI weiterhin seine Arbeit tun könne, sei mehr europäische Hilfe und die Unterstützung der kirchlichen Partner nötig.

Geld allein reicht nicht: Kirchen sollen Druck aufsetzen

In dem Schreiben betont der Bund evangelischer Kirchen in Italien, dass es nicht damit getan sei, den Kirchen und Organisationen in Italien finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen. Es gehe auch darum, in den verschiedenen europäischen Ländern politischen Druck auszuüben.

Konkret fordert der FCEI Unterstützung bei Massnahmen wie der Umsetzung des EU-Umsiedlungsprogramms, einer gerechteren Lastenteilung gegenüber den südeuropäischen Ländern Italien, Spanien, Griechenland und Malta, der Gewährung zeitlich befristeter Visa für Migranten, sowie der Schaffung von humanitären Korridoren. Es gehe darum, die weltweite Migration zu einem prioritären Anliegen zu machen – und dazu könnten auch die Kirchen einen Beitrag leisten.

Deutlich mehr Migranten

Als Beispiel nennt der FCEI den Bund Evangelischer Kirchen in Frankreich (FPF), der in den nächsten Tagen die erste Gruppe von Flüchtlingen aus dem Libanon in Empfang nehmen werde.

Gemäss Dubliner Übereinkommen müssen Migranten während der gesamten Zeit des Rechtsverfahrens im Ankunftsland bleiben, auch wenn sie Familien, Verwandte oder Bürgen in anderen europäischen Ländern haben. Seit Anfang 2017 sind nach offiziellen Zahlen 76’873 Migranten in italienischen Häfen angekommen, 13,4 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2016.