Krieg im Nahen Osten
Israel attackiert den Iran
Israel hat in der Nacht mehr als 100 Ziele im Iran angegriffen, darunter die iranischen Atomanlagen. Laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim wurden auch führende Köpfe des iranischen Militärs getötet, darunter der Kommandeur der mächtigen Revolutionsgarden, Hussein Salami, und Generalstabschef Mohammed Bagheri.
Die Islamische Republik kündigte einen entschlossenen Gegenschlag an. Wegen der «regionalen Spannungen» in der gesamten Region sperrten der benachbarte Irak und Israels Nachbarland Jordanien ihre Lufträume. Israel müsse mit «einer harten Bestrafung» rechnen, wurde Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei in einer Mitteilung seines Büros zitiert.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach von einem «sehr erfolgreichen Eröffnungsschlag». Dabei seien ranghohe Repräsentanten der iranischen Kommandoführung sowie Wissenschaftler getroffen worden, die an der Entwicklung von Nuklearwaffen arbeiteten. Zudem seien Atomanlagen bombardiert worden, sagte er in einem Video. Man habe die Militäroperation gestartet, «um die iranische Bedrohung für das Überleben Israels zurückzudrängen». Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) war die Uran-Anreicherungsanlage in Natans, eine der wichtigsten Atomanlagen im Iran, eines der Ziele der israelischen Angriffe.
In den vergangenen Jahren habe der Iran genügend hochangereichertes Uran für neun Atombomben produziert, sagte Netanjahu. «Diese Operation wird so viele Tage andauern, wie es braucht, um diese Bedrohung zu beseitigen», kündigte er an. Im Morgengrauen wurde Irans Hauptstadt Teheran von einer zweiten Explosionswelle erschüttert.
«Wir haben diese Operation begonnen, weil die Zeit gekommen ist – wir befinden uns an einem Punkt ohne Umkehr», sagte der israelische Generalstabschef Ejal Zamir. Der Iran hatte Israel immer wieder mit Vernichtung gedroht. Der jüdische Staat sieht sich durch das iranische Atomprogramm in seiner Existenz bedroht.
Die USA sind nach Angaben der Regierung in Washington nicht an Israels Angriffen beteiligt. Im Falle iranischer Vergeltungsschläge seien die USA bereit, sowohl sich selbst als auch Israel zu verteidigen.
Irans Aussenministerium verurteilte den israelischen Grossangriff und erklärte, Israels Handlungen hätten nicht ohne Koordination und Genehmigung der USA erfolgen können. Daher sei auch die US-Regierung als Hauptunterstützer Israels für die Konsequenzen mitverantwortlich.
Die politische Führung des Irans beteuert immer wieder, dass sie nicht nach Atomwaffen strebe und die Nuklearanlagen für zivile Zwecke nutzen wolle. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und viele Staaten sind jedoch besorgt, dass Teheran immer näher an den Punkt rückt, solche Kernwaffen herstellen zu können. Denn der Iran produziert als einziger kernwaffenfreier Staat Uran mit beinahe waffentauglichem Reinheitsgrad. (sda/ dst)