Islamischer Theologe lehrt neu in Zürich

Der neue Gastdozent für Islamische Theologie und Bildung an der Universität Zürich, Abbas Poya, ist am Donnerstag den Medien vorgestellt worden. Der 48-jährige Islamwissenschaftler und gebürtige Afghane ist der erste Dozent an der für drei Jahre errichteten Gastprofessur.

Abbas Poya ist neu Gastdozent an der Universität Zürich.
Abbas Poya ist neu Gastdozent an der Universität Zürich. (Bild: Adrian Ritter/UZH)

Im Herbstsemester 2015 wird Poya drei Lehrveranstaltungen halten. Eine richtet sich an Studierende der Islamwissenschaft und eine an Studierende der Religionswissenschaft. Die dritte ist offen für Hörer alle Fakultäten und für sonstige Interessierte.

Er habe vor, die «grundlegenden theologischen Dissense» im Islam zu behandeln, sagte Poya. Als Beispiel nannte der Islamwissenschaftler das Thema «Gerechtigkeit». Diese gelte zum einen als «Eigenschaft Gottes», sei später aber auch als berechtigtes gesellschaftliches Anliegen anerkannt worden. Zudem wolle er auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie den Begriff des gerechten Krieges, den Dschihad, einbeziehen.

Ein «Glücksfall»

Poya studierte zunächst klassische islamische Theologie an Hochschulen in Afghanistan, Iran und Syrien, bevor er 1991 in Deutschland ein Studium der Islamwissenschaft, Politikwissenschaft und Vergleichenden Religionswissenschaft begann. Derzeit ist er an der Universität Erlangen-Nürnberg angestellt.

Christoph Uehlinger, Professor am Religionswissenschaftlichen Seminar der Theologischen Fakultät, bezeichnete die Besetzung der Gastprofessur mit Poya als «Glücksfall». Aufgrund seiner vielfältigen Ausbildung sei dieser in der Lage, auf ein unterschiedliches Publikum einzugehen.

Poya stammt aus einer schiitischen Familie. Seine Ausbildung als Theologe sei jedoch «überkonfessionell». Er wolle die islamische Theologie umfassend darstellen. Wie Ulrich Rudolph, Professor für Islamwissenschaft an der Philosophischen Fakultät, hinzufügte, spielt die Konfession unter den muslimischen Studierenden in Zürich auch gar keine Rolle.

Muslime wissen zu wenig über eigene Religion

Ziel der Gastprofessur sei, Themen der islamischen Theologie und Bildung «im kulturellen, religiösen und weltanschaulichen Kontext Europas zu diskutieren», heisst es in einer Mitteilung der Universität Zürich vom Donnerstag. Rudolph schilderte vor den Medien den Kontext, in dem die neue Gastprofessur entsteht. Die Präsenz zahlreicher Muslime in Europa sei in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung.

Eine sei etwa der «Bildungsmangel» unter den Muslimen in Bezug auf die eigene Religion. Auch Muslime müssten einen Ort haben, wo sie über theologische Vorstellungen diskutieren könnten. Nicht geplant sei in Zürich aber eine Imam-Ausbildung, stellte er klar.

Uni hat kein Geld für Gastprofessur

Die Finanzierung erfolgt durch die Paul Schiller Stiftung. Die Universität Zürich habe dafür keine Ressourcen, sagte Prorektor Otfried Jarren vor den Medien. Die Paul Schiller Stiftung unterstützt laut Homepage Projekte, die eine «integrative Gesellschaft» fördern und eine «multiplikative Wirkung» haben. (kath.ch/Barbara Ludwig)