Isaak auf der Reise zum Kern seiner Ängste

Vom Opfern von Kindern: In «The Binding of Isaac» stellen sich die Spieler der zwiespältigen Wirkung der Religion. Ein fetziges Actionspiel für starke Nerven und aufgeschlossene Gemüter.

Isaak und seine Mutter leben ein einfaches Leben auf einem abgeschiedenen Hügel. Eines Tages hört die Mutter eine Stimme von oben, die ihr die Opferung ihres Sohnes aufträgt. Während Mama bereit ist, den Willen des Herrn mit einem Küchenmesser auszuführen, flieht der Knabe in den Keller.

Im 2D-Actionspiel «The Binding of Isaac» steuern die Spieler den traumatisierten Isaac durch insgesamt acht Kellerlevels. Hier begegnet allerlei Monster gewordener Unrat, den Isaac mit seinen Tränen als Wurfgeschossen bekämpft. Daneben müssen Schlüssel gefunden, Wege freigesprengt und Oberbosse besiegt werden. Zahlreiche Gebrauchsgegenstände steigern die Fähigkeiten und Abwehr des Jungen oder verleihen andere Kräfte.

Alttestamentarische Geschichte

«The Binding of Isaac» erzählt die alttestamentarische Geschichte von Abraham und Isaak. Weil diese auf eine groteske Weise inszeniert wird, wurde das Spiel zum Politikum: Ein deutsches Prüfgremium befürchtete aufgrund der «tendenziell blasphemischen Botschaft» eine Beeinträchtigung religiöser Kinder und entschied, das Spiel nicht wie vorgesehen ab 12, sondern ab 16 Jahren freizugeben.

Der Entwickler Edmund McMillen, der hier seine zwiespältige Erfahrung mit dem Katholizismus verarbeitet, vermittelt jedoch einen differenzierten Blick auf Religion als destruktive wie aufbauende Kraft: Zwar wird die Bindung Isaaks zum Symbol für das gestörte Mutter-Kind-Verhältnis, doch zugleich sind es auch religiöse Gegenstände, die Isaac auf der Reise zum Kern seiner Ängste stärken – auch wenn sie in einem eher psychologischen als religiösen Sinn zur Quelle der Fantasie und Kraft für den misshandelten Kleinen werden.

Morbide Thematik

Die morbide Thematik erzeugt zusammen mit dem kindlichen Comic-Look und dem fetzigen Sound eine verstörende Atmosphäre. Diese wird aber durch den rasanten Spielfluss und die abwechslungsreichen Kämpfe überlagert, die nur mit hoher Steuerungspräzision gewonnen werden.

Der ohnehin hohe Schwierigkeitsgrad erhöht sich mit jedem Durchspielen, die fehlende Speicher- und Wiederholmöglichkeit motiviert (oder stresst) dauerhaft. Die verschiedenen Enden, zufallsgenerierten Räume und die weiteren freischaltbaren Protagonisten erhöhen den Wiederspielwert dieses in sich stimmigen, religionskritischen Actionspiels.


 

Angaben zum Spiel
The Binding of Isaac (2011). Sprache: Englisch, wenig Text. Plattformen: Windows XP/Vista7/8; Mac OS X 10.5.8. Erweiterungen und Remakes: The Binding of Isaac: Wrath of the Lamb (2012); The Binding of Isaac: Rebirth (2014); The Binding of Isaac: Afterbirth (erscheint am 30.10.15)

Offizielle Webseite: http://bindingofisaac.com/ Demoversion auf: http://www.newgrounds.com/portal/view/581168 PEGI-Alterskennzeichnung: Ab 16 Jahren.


 

Über den Autor
Oliver Steffen ist Religionswissenschaftler an der Universität Bern und erforscht die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion. Forschungswebseite: http://www.god-mode.ch/