Hohe Dunkelziffer bei rassistischen Vorfällen

Der Schweizerische Israelitische Gemeindebund (SIG) und die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) publizierten am Dienstag ihren Antisemitismusbericht für das Jahr 2016. Demnach wurden 43 rassistische Vorfälle registriert. Die Dunkelziffer dürfte allerdings weit höher liegen.

Antisemitismus bleibt auch in der Schweiz ein Thema.
Antisemitismus bleibt auch in der Schweiz ein Thema. (Bild: GRA)

Gegenüber dem Vorjahr blieb die Zahl der registrierten Vorfälle im Berichtsjahr 2016 zwar konstant. Allerdings wurden gravierende Vorfälle aus dem rechtsextremen Spektrum registriert, heisst es in der Mitteilung zum neuen Antisemitismusbericht. Dazu gehörte etwa ein Konzert mit einschlägigen Neonazi-Bands, das im Oktober 2016 im Toggenburg stattfand. Fotos vom Anlass zeigten Konzertbesucher, die den Hitlergruss machen. Ein weiterer Vorfall ereignete sich ebenfalls im Oktober 2016, als Neonazi-Bands in einem ihrer Songs dem SIG-Präsidenten mit Mord drohten und Bombenanschläge auf jüdische Einrichtungen in Zürich ankündigten.

Keine Vollständigkeit

Der Antisemitismusbericht des SIG umfasst rassistische und antisemitische Vorfälle, die in den Medien publiziert wurden. Es handele sich also um ein Medien-Monitoring, mit welchem sich zwar die generelle Stimmung in der Schweiz erfassen lasse, das aber keinen Anspruch auf statistische Vollständigkeit habe, betonen die Urheber des Berichts. So würden viele Vorfälle nicht gemeldet, weil die Angst der Opfer oftmals stärker sei als der Wunsch, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Hohe Dunkelziffer durch Rassismus im Netz

Auch rassistische Bemerkungen und Hate-Speech im Internet sowie in den sozialen Medien sind im Bericht nicht erfasst. Fast täglich erhalte die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus Hinweise auf fremdenfeindliche Verstösse im Internet, heisst es in der Mitteilung. Antisemitische Hetze nehme immer dann zu, wenn in den Medien über den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern berichtet werde. Auch hier wird die Dunkelziffer im Zusammenhang mit rassistischen Vorfällen als hoch eingeschätzt.

Fokus auf der Deutschschweiz

Neben dem Antisemitismusbericht und einer Chronologie der rassistischen Vorfälle wurde dieses Jahr zudem ein Bericht über «Rechtsextremismus in der Schweiz» publiziert. Darin kommt Experte Fabian Eberhard zum Schluss, rechtsextreme Strukturen würden in der Schweiz weder an Zulauf gewinnen, noch seien sie für Junge attraktiver geworden. Die Aussage wird allerdings im jüdischen Wochenmagazin tachles kritisiert, da in dem Bericht ausschliesslich der Rechtsextremismus in der Deutschschweiz behandelt werde.

 

Zum Antisemitismus-Bericht 2016