Der darin enthaltenen «Entpolitisierung und Redogmatisierung» der Reformationsgeschichte müsse entschieden widersprochen werden. Der Berliner Historiker Heinz Schilling sagte, in dem Text würden «Märchen» verbreitet. Das 112-seitige Papier war Mitte Mai vorgestellt worden. Darin benennt die EKD die theologischen Grundlagen der durch Martin Luther (1483-1546) eingeleiteten Reformation, vor allem die Rechtfertigungslehre. Nach Kaufmanns Worten «entblöde» sich die Kirche nicht, die Reformation ausschliesslich als theologisches Ereignis zu beschreiben. Schilling kritisierte, in dem Dokument sei davon die Rede, erst durch Johannes Calvin (1509-1564) sei die Reformation international geworden. «Warum lassen wir uns solche Märchen aufsetzen?» fragte der Wissenschaftler.
Kaufmann und Schilling äusserten sich bei einer Konferenz unter dem Titel «Staat in Deutschland und evangelische Kirche». Sie hatten das EKD-Papier bereits zuvor heftig angegriffen und ihm eine dogmatische Sicht auf die Reformationsgeschichte vorgeworfen. Allerdings will das Dokument erklärtermassen nicht die politischen Gesichtspunkte der Reformation darstellen, sondern lediglich deren theologische Erkenntnisse auf die Gegenwart hin interpretieren. Kritik an dem Text gab es indes auch von evangelikaler sowie von katholischer Seite.
Das hitzig debattierte Dokument der Evangelischen Kirche Deutschland
Rechtfertigung und Freiheit – 500 Jahre Reformation 2017 (3,9 MB, 58 Seiten)