Guterres ruft eindringlich zu Solidarität mit Jemen auf

Hunger, Krankheiten, Krieg: Die humanitäre Situation im Jemen wird immer düsterer. Die Vereinten Nationen brauchen dringend Geld, um das Schlimmste zu verhindern. Zugleich fordert der UN-Generalsekretär: Die Waffen sollen schweigen.


UN-Generalsekretär António Guterres hat zu einer landesweiten Waffenruhe im Jemen und zur Solidarität mit den Menschen in dem arabischen Land aufgerufen. «Wir dürfen keine Zeit verlieren», sagte Guterres am Dienstag bei der Eröffnung einer virtuellen internationalen Geberkonferenz für die Jemen-Hilfe. Die humanitäre Lage sei katastrophal, allein seit Januar seien 500 Menschen getötet worden. Zu der Geberkonferenz haben die Vereinten Nationen gemeinsam mit Saudi-Arabien eingeladen.

Saudi-Arabien führt seit 2015 eine Militärkoalition an, die auf Seiten der jemenitischen Regierung gegen die Huthi-Rebellen kämpft. Im April hatte das saudische Königreich wegen des Coronavirus eine Waffenruhe ausgerufen, trotzdem wird über Kämpfe berichtet.

Hilfsprogrammen droht das Ende

Der UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock warnte: «Der Jemen steht an der Klippe einer Katastrophe historischen Ausmasses.» Das Land leide unter Hunger, Zerstörung und tödlichen Krankheiten. Das Gesundheitswesen stehe vor dem Zusammenbruch, Krankenhäuser müssten Patienten abweisen. Das Coronavirus drohe sich in rasantem Tempo auszubreiten.

Obwohl sich die Lage weiter verschlimmere, hätten die UN-Hilfswerke noch nie so wenig Mittel gehabt wie im Moment, beklagte Lowcock. Wenn kein zusätzliches Geld komme, müssten 30 von 41 Hilfsprogrammen in Kürze geschlossen werden.

Rund 80 Prozent der 30 Millionen Einwohner im Jemen sind auf Hilfe angewiesen. Die Vereinten Nationen benötigen für die kommenden sieben Monate 2,4 Milliarden US-Dollar für die Jemen-Hilfe, bisher sind erst 15 Prozent davon finanziert.

Hilfswerk kritisiert Konferenz

Die Diakonie Katastrophenhilfe, das humanitäre Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Deutschland, appellierte eindringlich an die internationale Gemeinschaft, die Menschen im Jemen nicht im Stich zu lassen. Die Präsidentin des Hilfswerks, Cornelia Füllkrug-Weitzel, warf der EU und Deutschland eine passive Haltung vor. Sie hätten beim Ausrichten der Geberkonferenz Saudi-Arabien das Feld überlassen. Da Saudi-Arabien im Jemen eine wesentliche Kriegspartei sei, werfe dies Fragen nach der Neutralität und Unabhängigkeit der Hilfe auf.

Menschenrechtsorganisationen werfen Saudi-Arabien die Bombardierung von Krankenhäusern und Schulen im Jemen vor. Auch anderen Akteuren werden Verstösse gegen das Völkerrecht angelastet. (epd)