GR: In den Ferien ein Stück Kirche erleben

Gibt es Schnittstellen zwischen Tourismus und Kirche? Mehr als gedacht. Das zeigte eine Tagung an der Theologischen Hochschule Chur.

Macht sich stark für Begegnungen mit Menschen: Urs Wohler, Direktor Tourismus Engadin. Im Hintergrund Professor Thomas Schlag. (Bild: Stefan Hügli)

«Begegnungen mit Menschen gehören zum Wertvollsten, was Gäste aus den Ferien mit nach Hause nehmen», sagte Urs Wohler, Direktor von Tourismus Engadin. Rund 40 Touristiker und Kirchenleute nahmen an der Tagung vom 10. Juni teil. Sie machte deutlich, dass die Zusammenarbeit von Tourismus und Kirchen Potential hat. Barbara Haller Rupf, Professorin am Institut für Tourismus und Freizeit an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur, benannte eine Vielzahl von Trends im Tourismus und kam auf die zunehmende Bevölkerungsdichte in Städten und Agglomerationen zu sprechen. Und damit auf das Bedürfnis nach Natur, Regionalem und Ursprünglichem. «Wir sind kein zweites New York und kein zweites London», sagte sie, «aber wir sind die Gegenwelt zur Urbanität». Darin sieht die Professorin eine Chance für Graubünden. «Wir haben etwas, das andere nicht haben». Aber auch touristische Angebote im Bereich Entspannung, Spiritualität und Kultur haben Zukunft, sagte Haller Rupf.

«Spirituelle Einkehr auf Zeit»

Ob eine solche Zusammenarbeit Erfolg habe, sei eine Frage der Haltung, sagte Thomas Schlag, Professor für Praktische Theologie an der Universität Zürich. Er will Gäste als «religiöse Flaneure» verstanden wissen und stellt ein hohes Interesse an kirchlichen Bauten und religiösen Orten fest, selbst bei Menschen, die religiöse Tradition und Symbolik sonst kaum noch kennten. Gelebte Gastfreundschaft heisst für ihn, «spirituelle Einkehr auf Zeit» zu ermöglichen, aber auch «Gemeinde auf Zeit» anzubieten durch eine bewusste Willkommenskultur in Gottesdiensten. Voraussetzung dafür sei nicht zuletzt eine Haltung der Wertschätzung, die stolz ist auf die Geschichte am eigenen Ort, die Kultur und die Religion.

Professionelle Kirchenführungen

Konkret wurde die Tagung mit der Präsentation von Cornelia Mainetti. Die Marketingfrau leitet die Fachstelle Kirche im Tourismus der reformierten Landeskirche. Ein bereits zum zweiten Mal durchgeführter Kurs für Kirchenführungen hatte das Ziel, vermehrt professionelle Kirchenführungen anzubieten. Als weiteres Angebot nennt sie eine Bergell-Reise auf den Spuren von italienischen Glaubensflüchtlingen oder Angebote im Safiental mit Wandern von Kirche zu Kirche, entsprechendem Begleitmaterial und professionellen Kirchenführungen. «Eine Vision mit Potential, naturnah, klein und fein», sagt die Marketingfrau. Wichtig sei, dass die Projekte vor Ort gut verankert sind und dass sie dort stattfinden, wo die Leute gerne sind. «Auf kirchliche Angebote wird nicht gewartet, aber sie sind willkommen, wenn sie überzeugen».