Gericht kippt Schuldspruch gegen umstrittenen Theologen
Das Bremer Landgericht hat einen evangelischen Pastor vom Vorwurf der Volksverhetzung freigesprochen. Nach drei Verhandlungstagen schloss sich die Kammer damit der Forderung der Verteidigung an und kippte das erstinstanzliche Urteil.
Der Pastor habe nicht vorsätzlich gehandelt und habe mit seinen Worten gesellschaftliche Konzepte angegriffen, nicht konkrete Menschen, hiess es in der Urteilsbegründung. Zum Hass stachele er nicht auf. Der Theologe argumentiere von der Bibel her. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bestätigung des Schuldspruchs verlangt.
Freiheitsstrafe aufgehoben
Das Gericht sah es dagegen nicht als erwiesen an, dass sich der 54-jährige streng konservative Pastor einer Bremer Gemeinde in einem auf Youtube veröffentlichten Eheseminar homosexuellenfeindlich und volksverhetzend geäussert hatte. Das Amtsgericht der Hansestadt hatte ihn im November 2020 noch zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten verurteilt, umgewandelt zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 90 Euro.
Im Oktober 2019 hatte der Mann in einer «biblischen Fahrschule zur Ehe» vor 30 Paaren unter anderem gesagt, Homosexualität sei eine «Degenerationsform von Gesellschaft». Der Theologe warnte vor einer «Homolobby»: «Überall laufen die Verbrecher rum vom Christopher Street Day. Der ganze Genderdreck ist ein Angriff auf Gottes Schöpfungsordnung, ist teuflisch und satanisch.» Eine Tonaufnahme davon war im März des Folgejahres auf dem Youtube-Kanal des Pastors zu hören.
Buddha verunglimpft
Der Mann hatte zu Beginn der Berufung betont, er habe sich gegen Homosexualität und Gender-Mainstreaming gestellt, nicht aber gegen homosexuelle Menschen. Er sehe sich an das Wort Gottes gebunden, das Homosexualität verurteile. Mehrfach hatte er sich für missverständliche Äusserungen entschuldigt: «Ich wollte und werde niemanden als Menschen diskreditieren.» Das passe nicht zu seinem christlichen Menschenbild. Er sage ein «absolutes Ja zu jedem Homosexuellen».
Der Theologe hatte schon in der Vergangenheit für Schlagzeilen gesorgt. Vor rund sieben Jahren hatte er das islamische Zuckerfest als «Blödsinn», die Reliquien der katholischen Kirche als «Dreck» und Buddha als «fetten, alten Herrn» bezeichnet. (epd/ jow)