Game-Tipp: Mysteriöses im Ural-Gebirge

Mysterium am Djatlow-Pass: Das Grusel-Abenteuerspiel «Kholat» interpretiert einen realen Zwischenfall im russischen Ural. Psi, Magie und Hölle inklusive.

Im Februar 1959 hatte sich eine Gruppe russischer Studenten zu einer Ski-Wanderung ins Ural-Gebirge aufgemacht. In einer Nacht verliessen sie fluchtartig ihr Lager am Hang des Kholat Syakhl, um wenig später an Unterkühlung und mysteriösen Verletzungen zu sterben. Dieses reale Ereignis ist als das Unglück am Djatlow-Pass bekannt. Es hat aufgrund der nie geklärten Umstände Anlass zu vielerlei Spekulationen gegeben, «Kholat» ist das jüngste Beispiel. Die Spieler übernehmen die Rolle eines rätselhaften Protagonisten, der die wahren Begebenheiten vor Ort ermittelt. Aus der Ego-Perspektive und ausgerüstet mit Karte, Kompass und Koordinaten durchwandert man das grosse und relativ frei begehbare Gebiet, sammelt zerstreute Tagebucheinträge und Berichte und weicht tödlichen Gefahren aus.

Versorgt im christlichen Deutungsrahmen

Bei unbegreiflichen Ereignissen ist der Bezug auf transzendente Wirklichkeiten regelmässig mit von der Partie. Auch «Kholat» bedient sich dieser Option: Eine übernatürliche Kraft manifestiert sich auf dem «Berg der Toten», Geister und Seelen Verstorbener zeigen sich. Die einen weisen auf wichtige Orte, andere trachten dem Ermittler nach dem Leben. Als Erklärung dienen die gefundenen Hinweise auf geheime militärische Psi-Experimente an Menschen sowie auf die Magie des lokalen sibirischen Volkes der Mansen. Beide sind jedoch nur Instrumente einer bösen Macht, die an die christlichen Höllen- und Teufelsdarstellungen erinnert. Psi und indigene Magie werden damit im christlichen Deutungsrahmen versorgt, allerdings ohne dass dem «Inferno» ein «Paradiso» entgegengestellt würde.

Wohlig-schaurige Atmosphäre

Denn «Kholat» ist eine Horror-Story, allerdings eine, die zuwenig Abwechslung bietet: Wenn das ewige Weglaufen vor stupiden Geistern mal fehlschlägt, sind teils längere Wanderungen zu wiederholen. Dafür punktet das Game mit einer spannenden und realen Ausgangslage und einer Ästhetik, die gekonnt eine wohlig-schaurige Atmosphäre erzeugt. Wenn der Spieler in der Einsamkeit und Monotonie einer tadellos gestalteten winterlichen Wildnis um Orientierung ringt, oder wenn er sich bei sparsam eingesetzter melancholisch-beklemmender Musik mysteriösen Ereignissen stellt, dann sind das jene grossen Momente, die «Kholat» zu einem Tipp für geduldige Entdecker mit Mystery-Flair machen.


 

 

Angaben zum Spiel

Kholat (IMGN.PRO 2015)

Sprache: Englisch, dt. Untertitel

Plattformen: Windows 7 SP1 oder höher

Offizielle Webseite

PEGI-Alterskennzeichnung: Ab 12 Jahren

 

Über den Autor

Oliver Steffen ist Religionswissenschaftler an der Universität Bern und erforscht die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.

Forschungswebseite: «Between God Mode and God Mood»