Zu ihrem 16. Geburtstag erhält Ana Eberling ein geheimnisvolles Glasfläschen, das ihr Vater für sie hinterlassen hat. Es ist der Schlüssel zu einer abenteurlichen Reise, im Zuge derer das wohlbehütete Schweizer Mädchen ihren verschwundenen Vater und dessen geniale Erfindung sucht. Durch klassisches Anklicken durchwandern die Spieler mit Ana diverse Szenerien, führen Gespräche, sammeln Gegenstände und setzen sie ein. Dabei taucht Ana nicht nur immer tiefer in das Geheimnis ihrer Familie ein, sondern auch in andere Zeitdimensionen, wobei sich der Lauf der Welt für immer zu verändern droht.
Unterhaltsames Risiko
«The Perils of Man» ist einer der aufwändigeren Titel der Schweizer Gameindustrie. Finanziert wurde das Spiel von der Rückversicherungsgesellschaft Swiss Re mit der Absicht, auf unterhaltsame Weise in das Thema «Risiko» einzuführen. Neben einigen Hinweisen zu potenziellen Gefahrenherden bei sich anbahnenden Katastrophen wirft das Spiel eine interessante Frage auf: Ist es ein Segen oder ein Fluch, wenn man absolute Gewissheit über die Zukunft hat und jegliches Risiko oder Unglück umgehen kann? Als Antwort schöpft das Spiel aus der religiösen Kritik an der Überheblichkeit des Menschen: Allwissenheit und Vorsehung sind göttliche Eigenschaften, und wenn sich der Mensch durch Technologie zu Gott aufschwingen will, dann endet dies in einem Desaster. Mensch sein bedeutet vielmehr, Risiken einzugehen und sich dabei auch mal unsicher zu fühlen – womit dann auch das Geschäftsfeld der Versicherungsgesellschaften erhalten bleibt.
«Problemfindung per Risiko-Brille»
«The Perils of Man» ist ein solides Unterhaltungs-Abenteuerspiel mit einigen Lehrspiel-Elementen. Ansehnliche 3D-Grafik vermischt sich mit einer spannenden Story und interessanten Figuren. Nur gegen Ende verschenkt die Erzählung Potenzial, eine folgenschwere Entscheidung wird billigerweise umgangen. Auch spielerisch gibt es wenig zu beanstanden: Das Kombinieren von Gegenständen im Inventar könnte simpler sein, die interaktiven Objekte können leicht übersehen werden, da sie nicht markiert sind. Doch die Bedienung ist mit jeweils einer einzigen Aktion gut zugänglich, die clevere Problemfindung per Risiko-Brille bringt Abwechslung. Die Rätsel lösen sich intuitiv, wir dürfen in jeder Situation auch Anas Tipps zuschalten. «The Perils of Man» ist ein Geheimtipp, nicht nur für Genre-Fans.
Angaben zum Spiel
The Perils of Man (IF Games / boutiq / Vertigo Games 2015)
Sprache: Deutsch u.a.
Plattformen: Windows XP SP3 und höher; Mac OS X 10.16+ und höher; Mac iOS 8.0 und höher.
Offizielle Webseite: http://www.perilsofman.com/landingpage-de/
Keine offizielle Alterskennzeichnung. Empfehlung des Autors: Ab 7 Jahren
Über den Autor
Oliver Steffen ist Religionswissenschaftler an der Universität Bern und erforscht die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.
Forschungswebseite: http://www.god-mode.ch/