Game-Tipp: Abenteuer mit Selbstironie

Den Kreis durchbrochen: Das witzige «The Magic Circle» parodiert die Game-Entwicklung, zeigt die Programmierer als zynische Götter und lässt die Spieler schuften.

In «The Magic Circle» übernehmen die Spieler die Rolle eines Helden in einem Fantasie-Rollenspiel. Doch anstatt wie üblich Drachen zu bekämpfen und die Welt zu retten, muss sich der Held mit einem echten Problem herumschlagen: den Spielentwicklern. Ish Gilder ist der fiktive Chef-Designer des Spiels. Durch seinen Erfolg arrogant geworden, will er das perfekte Werk abliefern. Dabei überwirft er sich mit dem Team, so dass das Game zur ewigen Baustelle zu werden droht und der Held darin ohne irgendwelche Talente dasteht. Mit Hilfe einer mysteriösen Stimme und gesteuert durch den Spieler nimmt der Held das Programmieren selbst in die Hand – um die unfertige Welt nach den eigenen Vorstellungen gestalten, das Spiel von innen heraus zu veröffentlichen und sich aus der Entwicklerhölle zu befreien.

Entwickler als Götter

«The Magic Circle» parodiert nicht nur die Entwicklung fiktiver Welten, sondern auch die oft geäusserte Beobachtung, dass diese Entwicklung eine menschliche Nachahmung der göttlichen Schöpfung ist. So erscheinen die fiktiven Entwickler im Spiel als Götter in der Form allsehender Augen. Allerdings behandeln sie ihre Schöpfung nicht als ein Objekt der Liebe, sondern – wie die Götter antiker Mythen – des Spielens und Streitens. Auf diese klassische Spannung zwischen Menschen und Götter gibt das Game eine moderne Antwort: Wo die Götter zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, um die Welt zum Wohl der Menschen zu gestalten, nehmen ihnen die Menschen die Schöpfungstätigkeit aus der Hand, um den Job zu erledigen.

Platz im Game-Olymp

«The Magic Circle» ist ein cleveres und selbstironisches Indie-Abenteuerspiel über Games und ihre Entwicklung. Die innovative Story mag überzeichnet sein, doch die erstklassigen Dialoge machen die Empfindlichkeiten, Arbeitsbedingungen und schmutzigen Tricks von Gamedesigner gut greifbar. Auch spielerisch betritt das Game neues Terrain: Das Sammeln und Zuweisen von Verhalten auf Programmebene, um aus Feinden Freunde zu schaffen, unerreichbare Orte zu erreichen oder Gefahren zu überwinden ist spassig und lässt einigen Raum für kreative Lösungen. Ist nach einiger Eingewöhnung die Spielweise durchschaut, wird das Spiel zu einfach, um jenseits der Story noch spannend zu sein. Dennoch: «The Magic Circle» und seine amüsanten Halbfertigkeiten haben sich ihren Platz im Game-Olymp verdient.


 

Angaben zum Spiel

The Magic Circle (Question 2015)

Sprache: Englisch, dt. Untertitel

Plattformen: Windows XP/Vista7/8; OS X 10.7 Lion oder höher

Webseite mit PC-Demoversion

PEGI-Alterskennzeichnung: Ab 7 Jahren

 

Über den Autor

Oliver Steffen ist Religionswissenschaftler an der Universität Bern und erforscht die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion.

Forschungswebseite: «Between God Mode and God Mood»