«Gabriel Knight»: Würdig gealterter Klassiker

Das Computergame «Gabriel Knight: Sins of the Fathers» erzählt von einem kosmischen Konflikt in der multireligiösen Gegenwart. Die Neuauflage des Klassikers glänzt mit alten Stärken in frischem Gewand.

Der erfolglose Schriftsteller Gabriel Knight arbeitet in New Orleans an einem Schauerroman. Dafür recherchiert er über eine Serie von Ritualmorden, die mit Voodoo in Zusammenhang stehen. Als sein Freund Detective Mosley den Fall abschliessen muss, forscht Gabriel im Adventure-Rätselstil auf eigene Faust weiter. Die Geschichte wird über insgesamt zehn Tage erzählt, in denen Gabriel auf die Machenschaften eines geheimen Voodoo-Kults stösst und das jahrhundertalte Vermächtnis seiner eigenen Familie entdeckt.

Remake von 1993

«Gabriel Knight » ist das Remake des 1993 erschienenen Abenteuerspiels von Jane Jensen. Vordergründig wird auf den Voodoo in New Orleans Bezug genommen. Diese Praktik wird vielfältig kommuniziert, mal als Kunst, historische Tradition und legitime religiöse Praxis präsentiert, mal als Drehscheibe für Quacksalber und Leichtgläubige auf die Schippe genommen. Der christliche Überbau setzt da ein, wo ein «wahrer» Kern des «Schwarzen Voodoo» postuliert wird, in dem der Teufel selbst die Fäden zieht und im Fahrwasser der Religionsfreiheit sein Unwesen treibt. Poltern will er in der Johannisnacht, der Nacht vor dem Geburtsfest von Johannes dem Täufer am 24. Juni. Wo Rechtsstaat und Mainstream-Christentum dem Teufel Deckung und sogar Kulisse bieten, schreit alles nach einem Erlöser: Gabriel Knight tritt als Abkömmling eines alten deutschen Rittergeschlechts in die Fussstapfen des Hl. Georg, um den Schatten den Garaus zu machen.

Alte Stärken

«Gabriel Knight» strotzt nicht nur vor religionshistorischen Bezügen – es weiss daraus auch eine spannende Story zu stricken. Dazu tragen insbesondere die profilierten Charaktere bei, die leider nur mässig ins Deutsche übersetzt wurden. Neben der grafischen und klanglichen Auffrischung, wurde auch die Maus-Steuerung komfortabler gestaltet.

Wie für Spiele aus den frühen 90er Jahren üblich schwanken die Rätsel zwischen Kopfnuss und unfair – gut gibt es Hinweissysteme. Insgesamt ist «Gabriel Knight» würdig gealtert und zeigt sich auch auf neuen Computern mit alten Stärken.

 


Angaben zum Spiel: Gabriel Knight: Sins of the Fathers (Pinkerton Road Studio/Phoenix Online Studios 2014). Sprache: Englisch, dt. Untertitel. Plattformen: Windows Vista/7/8; Mac OS X 10.6 oder besser. Offizielle Webseite: http://www.postudios.com/company/games/gabrielknight20th/index.php   Keine offizielle Alterskennzeichnung. Empfehlung des Autors: ab 16 Jahren.


Über den Autor: Oliver Steffen ist Religionswissenschaftler an der Universität Bern und erforscht die Zusammenhänge von Computerspielen und Religion. Forschungswebseite: http://www.god-mode.ch/