Freidenker tun sich mit Kirchenlogo schwer

Die Freidenker-Vereinigung der Schweiz lässt sich ihr im November stattfindendes «Denkfest» unter anderem von der Zürcher Landeskirche finanzieren. An die grosse Glocke hängen wollen die Freidenker das aber nicht.


Anfang November findet im Zürcher Volkshauszum dritten Mal nach 2011 und 2014 das «Denkfest» der Schweizer Freidenker-Vereinigung statt. Der viertägige Anlass, zu dem Wissenschaftler aus der Schweiz und dem Ausland geladen sind, hat das Thema «Reformationen des Denkens». Finanzieren lassen sich die Freidenker den Event unter anderem vom Verein «500 Jahre Zürcher Reformation», zu dessen Trägern auch die Zürcher Landeskirche gehört. Einen Widerspruch sehen die religionskritischen Freidenker darin nicht. An die grosse Glocke hängen möchten sie es aber offenbar auch nicht, wie ein Zwist um das Logo des Sponsors zeigt.

«Für die Freidenker nicht einfach»

Zwar ist das Signet des Reformationsvereins inzwischen auf der Website des «Denkfestes» aufgeschaltet. Lange fehlten jedoch die Logos der fünf Träger, also auch das der Zürcher Landeskirche. Erst kurz vor Redaktionsschluss und nach mehreren Anfragen von bref reagierte die Freidenker-Vereinigung und schaltete neben dem Vereinssignet auch die Logos der Träger auf. Dies sei aber von Beginn weg Teil der Vereinbarung gewesen, bestätigt die kuratorische Leiterin des Reformations-Vereins, Barbara Weber. «Wir wollen mit dem Verein ein möglichst breites Spektrum von Projekten ansprechen, sind aber natürlich auch daran interessiert, als Absender wahrgenommen zu werden. Deshalb sollten das Signet des Vereins und die Logos der Träger auf den Kommunikationsmitteln unserer Partner abgebildet sein.»

So sieht das auch Stefan Grotefeld, Geschäftsführer des Vereins «500 Jahre Zürcher Reformation»: «Der Verein legt Wert darauf, dass alle fünf Träger namentlich erwähnt werden. Das ist unsere Auflage, an der wir auch festhalten werden. Dass das für die Freidenker-Vereinigung nicht ganz einfach ist, kann ich nachvollziehen.»

Kirchenlogo irritiert

Andreas Kyriacou, Zentralsekretär der Freidenker-Vereinigung der Schweiz, bestätigt die Differenzen hinsichtlich der Nennung des Sponsors. «Wenn die Teilnehmer des Festivals die Logos von kirchlichen Organisationen auf unserer Seite sehen, löst das natürlich Irritationen aus.» Kyriacou sagt zudem, dass man sich bei der Bewerbung um die Fördergelder zu wenig bewusst gewesen sei, dass es sich auch um kirchliche Mittel handle. «Es war uns nicht klar, dass die Gelder teilweise auch von der Landeskirche kamen und deshalb auch deren Logo aufgeführt werden muss.» Ein Problem sieht er dabei aber nicht: «Letztlich war das eine gesunde Irritation, denn wir sind keine Organisation, die sich bemüht abgrenzen muss.»

Der Verein «500 Jahre Zürcher Reformation» fördert kirchliche und weltliche Projekte, die sich mit der Bedeutung der Reformation für Zürich auseinandersetzen. Er verfügt über ein Gesamtbudget von 13,8 Millionen Franken. Zur Trägerschaft gehören der Kanton Zürich (Lotteriefonds), die Stadt Zürich, Zürich Tourismus, die Reformierte Landeskirche im Kanton Zürich und der Reformierte Stadtverband Zürich.

 

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.