Filmtipp: Wieder nur die Nebenrolle

«Maria Magdalena» versucht, die Jesusgeschichte aus Sicht dieser speziellen Frau neu zu erzählen. Obwohl der Film traditionell angelegt ist, wirft er neue Fragen auf.


Eine Frau liegt in den Wehen. Die herbeigerufene Maria Magdalena bringt sie mit Worten und eindringlichen Blicken dazu, sich zu beruhigen. Mutter und Kind überstehen die schwierige Geburt erschöpft, aber gesund. Maria hingegen muss noch einige Hindernisse bewältigen, bis sie selbst neu geboren werden kann.

Maria schliesst sich Jesus an

Nachdem sie sich einer arrangierten Ehe verweigert und eine Dämonenaustreibung überstanden hat, schliesst sie sich Jesus und seinen Jüngern an, die auf ihrer Mission auch Magdala besuchen. Zwischen Jesus und Maria besteht von Beginn weg eine Verbindung. Maria versteht – anders als die Jünger – die Botschaft der Gleichnisse, die Jesus erzählt. Und obwohl sie darunter leidet, begreift sie, weshalb sich Jesus opfert.

 

Maria von Magdala (Rooney Mara) hört bei der Arbeit an den Fischernetzen den Ruf Gottes. (Bild: Universal Pictures International)

Maria von Magdala (Rooney Mara) hört bei der Arbeit an den Fischernetzen den Ruf Gottes. (Bild: Universal Pictures International)

Nachdem sie mit dem Auferstandenen gesprochen hat, berichtet sie den anderen Aposteln davon. Diese nehmen sie nicht ernst, was Maria aber nicht kümmert. Sie verkündet: «Ich werde nicht schweigen. Ihr werdet von mir hören» – und geht.

Den Konventionen verhaftet

Der Spielfilm von Garth Davies versucht, aus der Perspektive von Maria Magdalena die Jesusgeschichte neu zu erzählen. Obwohl die schauspielerische Leistung der beiden Protagonisten bemerkenswert ist, gelingt das nur teilweise. Zu sehr ist Davies den Konventionen des Jesusfilms verpflichtet, als dass er Maria konsequent zum Zentrum des Geschehens machen würde.

Allerdings gibt es immer wieder Szenen, die durchaus anregen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Maria Magdalena – von der Kirche viel zu lange als Prostituierte abgetan – und derjenigen der Frauen bei der Verbreitung der christlichen Botschaft.

Natalie Fritz ist Religionswissenschaftlerin und Redaktorin bei medientipp.

«Maria Magdalena», USA, Grossbritannien, Australien 2018; Regie: Garth Davies; Besetzung: Rooney Mara; Joaquin Phoenix; Chiwetel Ejiofor. Verleih: Universal Pictures International.

Kinostart am 15.03.2018