Filmtipp: «Unterleuten»

Die Idylle im brandenburgischen Unterleuten findet ein jähes Ende, als im Dorf ein Windpark entstehen soll. Plötzlich ist sich in der einstigen Gemeinschaft jeder selbst der Nächste. Ein Ausflug in einen ländlichen Mikrokosmos nach dem gleichnamigen Roman von Juli Zeh.

Romantisch haben sich die Berliner das Landleben in Unterleuten vorgestellt, ruhig, entschleunigt und solidarisch. Der zugezogene Dr. Fliess will Natur erleben und Linda Franzen hat sich einen alten Hof gekauft, den sie nun zu einem Reitzentrum für gestresste Städter umbauen will. Der Alltag ist Idylle pur – kurzzeitig. Denn Fliess gerät in Rage, als der zurückgekehrte Nachbar Autoreifen im Hof verbrennt. Und Franzen braucht mehr Land, beisst sich aber an einem bayerischen Landspekulanten die Zähne aus.

Als dann eine Energiefirma einen Windpark in Unterleuten plant, kochen die Emotionen bei der Dorfversammlung hoch. Die Städter wehren sich gegen Windräder am Dorfrand, der Bürgermeister und einige Alteingesessene hoffen auf einen Zuschuss für die angejahrte Infrastruktur. Nun treten alte Konflikte zutage, Neid und Missgunst regieren und einzelne Einwohner werden öffentlich bedroht. Jeder ist sich selbst der nächste und jede versucht, aus der Situation Profit zu schlagen. Moral und Anstand sind vergessen.

Aus Gemeinschaft mach‘ Egoismus

Die bekannt besetzte, dreiteilige TV-Serie nach dem gleichnamigen Roman von Juli Zeh taucht ein in den Mikrokosmos Dorf mit all seinen komplexen Beziehungen, althergebrachten Animositäten und unsteten Loyalitäten. Und sie zeigt, wie leicht sich Menschen manipulieren lassen und für ihr eigenes Wohl dasjenige der anderen opfern. Besonders unheimlich: Man kann sich eine ähnliche Situation gut auch im eigenen Dorf vorstellen.

«Unterleuten – Das zerrissene Dorf», Deutschland 2020; Regie: Matti Geschonnek; Besetzung: Thomas Thieme, Ulrich Noethen, Dagmar Manzel.

Die TV-Serie kann in der ZDF-Mediathek bis zum 02.09.2020 nachgeschaut werden.