Serientipp: «Unorthodox»

Die vierteilige Netflix-Serie «Unorthodox» erzählt die Geschichte einer jungen Jüdin, die aus ihrem ultra-orthodoxen Umfeld in New York ausbricht und in Berlin ein neues Leben beginnt – ohne Netz und doppelten Boden.

Eine junge Frau steht am Ufer des Berliner Wannsees, in dem sich Menschen tummeln. Dann geht sie langsam ins Wasser, fast vollständig bekleidet, zieht ihren «Sheitel» ab – eine Perücke, die von orthodoxen jüdischen Frauen nach der Heirat getragen wird – und zeigt ihren rasierten Kopf. Die künstlichen Haare gleiten auf der spiegelnden Oberfläche davon, während sie die Arme ausstreckt und sich auf dem Rücken treiben lässt.

Ein Moment, der an eine christliche Taufe erinnert, doch anstatt sich einer Religionsgemeinschaft anzuschliessen, wird mit dieser Geste der Befreiung eine verlassen. Die junge Frau in dieser bemerkenswerten Einstellung heisst Esther Shapiro, genannt Esty. Eine 19-jährige chassidische Jüdin, die ihrem unerfüllten Eheleben und den restriktiven Regeln ihrer ultra-konservativen Gemeinde in Williamsburg, New York, entkommen und nach Berlin geflohen ist.

Autobiografischer Hintergrund

Estys steinigen Weg zu sich selbst skizziert Regisseurin Maria Schrader in ihrem Seriendebüt «Unorthodox» mit viel Feingefühl. Die Geschichte, die auf der gleichnamigen Autobiografie der Schriftstellerin Deborah Feldman (eine der Protagonistinnen aus «#Female Pleasure») beruht, besticht vor allem in den meist auf Jiddisch gesprochenen Williamsburg-Szenen. Solch faszinierende Einblicke in eine geschlossene Religionsgemeinschaft bekommen Aussenstehende nur selten zu Gesicht. Und auch Hauptdarstellerin Shira Haas überzeugt mit ihrem intensiven Spiel im Kampf um Selbstbestimmung.

«Unorthodox», Deutschland 2020, Regie: Maria Schrader, Besetzung: Shira Haas, Amit Rahav, Delia Mayer, Website: www.netflix.com