Filmtipp: «Britt-Marie war hier»

Nachdem die Affäre ihres Mannes aufgeflogen ist, macht sich Britt-Marie nach vierzig Ehejahren auf und wird Fussballtrainerin. «Britt-Marie war hier» ist eine liebevolle Hommage der schwedischen Regisseurin Tuva Novotny an die Generation ihrer Mutter.

Ordnung ist das ganze Leben. Jedenfalls für die 63-jährige Britt-Marie, die den ganzen Tag nichts anderes tut, als die Kissen zu büscheln und ihren vielreisenden Mann Kent zu bekochen. Als dieser jedoch nach einem Infarkt im Spital weilt, trifft die gute Seele dort auf den wahren Grund des geschäftigen Kent: seine Affäre. Britt-Marie fackelt nicht lange und sitzt alsbald mit ihrem Koffer im Bus Richtung Kleinstadt, wo sie ein Jobangebot als Fussballtrainerin der Jugendmannschaft bekommen hat. Von Fussball hat Britt-Marie aber ebenso wenig Ahnung, wie davon, welche Träume ihr nach 40 Ehejahren noch geblieben sind.

Lebenszeichen für einen kurzen Augenblick

Der Bestseller-Verfilmung von Fredrik Backman («Ein Mann namens Ove») hat sich die bisher eher als Schauspielerin in Erscheinung getretene Tuva Novotny angenommen, die im letzten Jahr mit ihrem eindrücklichen Regiedebüt «Blind Spot» von sich reden machte. In ihrem zweiten Film setzt Novotny nun der oftmals ungesehenen Frauengeneration ihrer Mutter ein liebevolles Denkmal. Dies ginge nicht besser als in der Person von Ingmar Bergmans Muse, der Schauspielerin Pernilla August. Deren sympathische Ahnungslosigkeit, die sich in ihrem Gesicht spiegelt, sorgt für lakonische Humor-Momente. Genauso wie die Geschichte dahinter offenbart, dass der Grund dafür, sein «Leben wegzuputzen», einfach häufig der ist, beachtet und anerkannt zu werden. Ein Lebenszeichen setzen – und sei es auch nur für einen kurzen Augenblick.

«Britt-Marie war hier» («Britt-Marie var här»), Schweden 2018, Regie: Tuva Novotny, Besetzung: Pernilla August, Malin Levanon, Stella Oyoko Bengtsson, Verleih: Ascot Elite.

Kinostart: 13. Juni 2019