Der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider sagte anlässlich der Präsentation des Familienpapiers, alle Familienformen verdienten Respekt, auch die eingetragene Lebenspartnerschaft. Aus der Bibel lasse sich zudem nicht die traditionelle Rollenverteilung zwischen Mann und Frau herleiten, die Jahrhunderte lang die Ehe und das Familienbild geprägt habe. Nach heutigen Begriffen gebe es in der Bibel «Patchwork-Konstellationen wie bei Abraham, Sarah und Hagar mit ihren Kindern, zusammenlebende Geschwister wie bei Maria und Martha und tragende Beziehungen zwischen Familienmitgliedern verschiedener Generationen wie bei Rut, Orpa und Noomi». Entscheidend seien Verbindlichkeit, Dauer, Vertrauen, Gleichberechtigung und die Sorge füreinander.
Auf katholischer Seite befürchtet man in Deutschland nun aber, die Ehe werde damit quasi ausverkauft. Konservative Protestanten kritisieren, das Papier stehe im Widerspruch zur Bibel, und biblische Texte seien «antibiblisch» uminterpretiert worden. Ehe und Familie im herkömmlichen Sinn würden kein Privileg mehr geniessen und gleichgeschlechtliche Partnerschaften theologisch als gleichwertig anerkannt.
Die verantwortliche EKD-Kommission habe heftige Reaktionen erwartet, aber er sei überrascht von dem aggressiven Ton, sagte ein Kommissionsmitglied am 26. Juni dem Evangelischen Pressedienst (epd). Menschen, die Verantwortung für andere übernehmen, werde nicht geholfen, indem man «eine bestimmte Lebensform über andere erhebt». Das Kommissionsmitglied wies den Vorwurf zurück, die EKD entferne sich damit von den biblischen Grundlagen. Auch in der Bibel gebe es vielfältige Familienformen.