Fall Carlos: Festnahme während Treffen mit Seelsorger

Der jugendliche Straftäter Carlos, dessen aufwendige Rundumbetreuung seit Tagen für Schlagzeilen sorgt, ist während eines Treffens mit einem reformierten Seelsorger in Zürich festgenommen worden.


Der 18-jährige verurteilte Straftäter Carlos (Name geändert) trifft sich der Zeitung zufolge seit längerer Zeit regelmässig mit dem reformierten Pfarrer Markus Giger, der auch als Gefängnisseelsorger tätig ist. Am 30. August wurde der Jugendliche von Polizisten festgenommen, als er mit dem Seelsorger vor einem Gebäude der Kirche in der Stadt Zürich stand.

Anschliessend wurde er ins Gefängnis Limmattal versetzt. Die Festnahme wurde von der zuständigen Oberjugendanwaltschaft Zürich laut der «Neuen Zürcher Zeitung» vom 6. September mit der Begründung angeordnet, der Jugendliche müsse geschützt werden, weil sein Wohnort bekannt geworden sei. Seit Tagen hatte die durch eine Fernsehsendung publik gewordene aufwendige Rundumbetreuung von Carlos, die monatlich Kosten von über 29 000 Franken verursachte, für Schlagzeilen gesorgt.

 Obwohl sich Carlos und der Pfarrer zum Zeitpunkt der Festnahme auf öffentlichem Grund befanden, handelte es sich nach Ansicht der reformierten Kirche um ein Treffen im seelsorgerischen Rahmen. Die Kirche zeigt sich wenig erfreut. «Es stellt sich die Frage, warum der Zugriff genau zu diesem Zeitpunkt erfolgen musste", sagte Nicolas Mori, Sprecher der Kirche, gegenüber der «NZZ am Sonntag». Auch staatliche und politische Institutitonen müssten den «sensiblen Rahmen der Seelsorge respektieren», so Mori.

Auf die Kritik geht der zuständige Oberjugendanwalt Marcel Riesen dem Bericht zufolge nicht ein. Die Durchführung der Festsetzung sei Sache der Polizei, erklärte ein Sprecher gegenüber der Zeitung. Im Übrigen handle es sich nicht um eine Festnahme, sondern um «eine Versetzung vom offenen in den geschlossenen Vollzug».