Ein grüner «Oscar» für Kirchgemeinden

Die Kirche wird grün: Erstmals vergibt die Arbeitsstelle «oeku Kirche und Umwelt» das Umweltlabel «Grüner Güggel» an Schweizer Kirchgemeinden. Im Herbst werden fünf Gemeinden zertifiziert.

Es werde Licht: Solarzellen auf dem ökumenischen Zentrum Halden St. Gallen. (Bild: Daniel Schmid Holz/Oeku)

Sie heissen «Blauer Engel», «Knospe» oder poetisch «Euroblume» – Labels, mit denen umweltbewusste Unternehmen und Institutionen in Europa ausgezeichnet werden. Jetzt macht die Arbeitsstelle «oeku Kirche und Umwelt» den «Grünen Güggel» für Kirchgemeinden beliebt. Die ersten, die sich mit diesem Umweltzertifikat schmücken dürfen, sind fünf Kirchgemeinden in der Ostschweiz. Die Übergabe findet voraussichtlich im November im Rahmen eines Gottesdienstes in Romanshorn statt.

Ökologie und Gerechtigkeit

Wie sehr Ökologie ein Thema der Kirche ist, zeigt die Umweltenzyklika «Laudato si», die Papst Franziskus kürzlich vorstellte. In dem Lehrschreiben kritisiert er das kapitalistische Wirtschaftssystem. Die «unverantwortliche Nutzung und Missbrauch» der Natur wirke sich vor allem auf die Armen in den Entwicklungsländern aus. Die Umweltenzyklika sei eine «fadengerade» Kritik an der rücksichtslosen globalisierten Profitmaximierungswirtschaft, sagte Regula Rytz, Co-Präsidentin der «Grünen», gegenüber dem Newsportal kath.ch.

Die oeku hingegen setzt vor der eigenen Kirchentüre an. Um das Label zu erhalten, müsse man keine bestimmten Werte erreichen, erklärt Kurt Aufdereggen, Umweltbeauftragter bei der oeku. Die Kirchgemeinde, welche die Plakette mit dem Grünen Güggel anbringen darf, durchläuft ein Zehn-Punkte-Programm. Dazu gehören die Erhebung von Ist- und Soll-Zustand sowie das Verfassen von Schöpfungsleitlinien und einem Umweltbericht. Über einen Zeitraum von gut eineinhalb Jahren arbeitet ein Umweltteam an den gewählten Schwerpunkten, umschreibt Aufdereggen die Vorgabe.

Eine Kirchgemeinde setzt ihre Umweltziele selber fest. Die Voraussetzungen seien so verschieden, sagt Aufdereggen, dass es den Kirchgemeinden überlassen bleibe, mit welchen konkreten Massnahmen sie beginne. Am Pilotprojekt «Grüner Güggel» im Thurgau nehmen Romanshorn, Arbon, Sirnach, Güttingen und Ermatingen teil. Daneben arbeiten derzeit St. Josef in Köniz und die Kirchgemeinden Meilen, Stäfa und Dübendorf am Umweltlabel.

Krypta als Winterkirche

Begleitend zum «Grünen Güggel» legt die oeku einen Bericht über die Umweltbestrebungen in Schweizer Kirchgemeinden vor. Das «Umwelthandbuch für Kirchgemeinden», das vor kurzem erschienen ist, listet Beispiele aus den Bereichen Gebäudesanierung, erneuerbare Energie und Biodiversität auf. Das breite Spektrum reicht von der Photovoltaikanlage auf dem Kirchendach über Öffnungen für Fledermäuse im Kirchenturm bis zum vegetarischen Menü oder zur Nutzung der kleinen Krypta als beheizbare Winterkirche. In jeder Kirchgemeinde gebe es neue und einfache Möglichkeiten, um die Umweltleistung zu verbessern. So sorgen in der reformierten Kirche Zürich-Schwamendingen und im Kloster Einsiedeln neue LED-Leuchten für eine effiziente Raumbeleuchtung. Der Erfolg zahlt sich doppelt aus: Das LED-Licht schont die Umwelt und das Portemonnaie.

In der Schweiz gibt es rund 5000 Kirchen. Allein das Stromsparpotenzial dieser Gebäude wird auf jährlich rund 100 000 Megawattstunden geschätzt. Dies entspreche dem Verbrauch von etwa 25 000 Haushalten, so Aufdereggen. Schon diese einfache Rechnung zeige, dass sich grünes Denken auch in den Kirchen lohne.

 

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von «reformiert.», «Interkantonaler Kirchenbote» und «ref.ch».

Franz Osswald / Interkantonaler Kirchenbote