Ehemaliger Kirchenmitarbeiter soll wegen Kindsmissbrauchs verwahrt werden

Ein ehemaliger Angestellter einer reformierten Kirche soll mehrere Kinder missbraucht haben. Die Zürcher Staatsanwaltschaft will ihn ordentlich verwahren – ohne Therapie, weil Pädophilie nicht behandelbar sei.


In Meilen ZH stand am 24. September ein ehemaliger Kirchenmitarbeiter wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern vor Gericht. Sein erstes Opfer, einen Knaben aus einem Chor, habe er in der Kirche angesprochen, weil er bei diesem «künstlerische Fähigkeiten» erkannt habe. «Ich habe ihm gesagt, dass ich es toll fände, wenn er Theater spielen würde», sagte der Beschuldigte, der früher als Clown und soziokultureller Animator arbeitete.

Der 54-jährige Schweizer schaffte es, ein Vertrauensverhältnis zum Knaben und zur alleinerziehenden Mutter aufzubauen. Irgendwann ging er in deren Wohnung ein und aus, erteilte dem Knaben Nachhilfeunterricht und balgte sich spielerisch mit ihm. Die ersten sexuellen Handlungen habe der Knabe initiiert, betonte der Beschuldigte. Dass es weiterging, liege aber an ihm, was ihm mittlerweile sehr leidtue. «Ich habe mich da in etwas hineinziehen lassen», sagte er und schob damit einen Teil der Schuld auf das Kind.

Opfer körperlich und psychisch beeinträchtigt

Auch sein Stiefsohn wurde Ziel der Übergriffe. Als der Knabe ihm gesagt habe, dass er das nicht möge, habe er aber aufgehört. Gemäss Anklage kam es zu zehn bis zwanzig Missbräuchen, meist beim Ins-Bett-bringen. Heute wisse er, dass das nicht korrekt gewesen sei. Obwohl er «nur Knaben mag», wie er selber sagte, missbrauchte er gemäss Anklage beinahe täglich auch seine leibliche Tochter.

Er habe sich natürlich Gedanken darüber gemacht, ob seine Handlungen den Kindern schaden könnten. Er habe aber nie Gewalt angewendet. Dass die Kinder heute noch darunter leiden, tue ihm leid.

Die beiden Knaben sind wegen der Misshandlungen körperlich und psychisch beeinträchtigt und benötigen Therapie. Über das Mädchen hiess es, sie sei noch sehr jung und vermisse vor allem ihren Vater.

Schon drei Mal verurteilt

Der Beschuldigte wurde bereits drei Mal wegen pädophiler Straftaten verurteilt, erstmals in den 1980er-Jahren. Dabei wurden teilweise auch Therapien angeordnet. Ein Gutachten attestiert ihm eine homosexuelle Pädophilie und eine hohe Rückfallgefahr. Eine medikamentöse Behandlung der Triebsteuerung lehnte er bisher immer ab. Mittlerweile zeigt er sich aber dazu bereit. Er hofft, so der ordentlichen Verwahrung zu entgehen, welche die Staatsanwältin für ihn fordert. Sie verlangt eine Verwahrung nach Artikel 64 des Strafgesetzbuches, also ohne Therapie, weil Pädophilie nicht heilbar sei.

Zusätzlich zur Verwahrung soll der Mann mit einer Freiheitsstrafe von siebeneinhalb Jahren und einem lebenslänglichen Verbot von beruflichen und ausserberuflichen Tätigkeiten mit Kindern belangt werden. Die Staatsanwältin verlangt einen Schuldspruch wegen sexueller Nötigung, sexueller Handlungen mit Kindern, Pornografie und Gewaltdarstellungen.

«Er hofft auf eine erneute Chance»

Sein Anwalt forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren, bei einer Probezeit von fünf Jahren. Eine Verwahrung sei unverhältnismässig. Pädophilie sei zwar nicht behandelbar, aber könne kontrolliert werden. «Er will künftig jeglichen Kontakt zu Knaben vermeiden und hofft nun auf eine erneute Chance», sagte er.

Das Bezirksgericht Meilen fällt im Oktober das Urteil. (sda/mos)