Konsequenzen gefordert nach Documenta-Eklat
Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz und der Zentralrat der Juden haben die Kunstschau «documenta fifteen» kritisiert. Grund dafür ist die mittlerweile abgehängte Installation des indonesischen Künstlerkollektivs «Taring Padi». Es zeigte unter anderem einen Soldaten mit Schweinsgesicht. Er trägt ein Halstuch mit einem Davidstern und einen Helm mit der Aufschrift «Mossad» – die Bezeichnung des israelischen Auslandsgeheimdienstes.
Scholz bezeichnete diese Darstellung nach den Worten einer Regierungssprecherin als «abscheulich». Es sei «völlig richtig und angemessen» gewesen, das Wandbild zu entfernen. Weiter forderte Scholz, dass die documenta-Leitung sich ihrer Verantwortung für diesen Vorgang stellen und sich prüfen soll. «Im Vorfeld dieser renommierten Ausstellung gab es eine ganze Reihe von Warnungen – umso irritierender ist es, dass es nun dennoch zu diesem Skandal gekommen ist.»
«Deutschlands Image hat Schaden genommen»
Auch der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, befürwortete die Entfernung des Werks. Damit sei jedoch das Thema Antisemitismus sowie die Debatte über eine Nähe der diesjährigen documenta zu BDS nicht abgehakt. BDS steht für «Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen». Die Bewegung will Israel wirtschaftlich, kulturell und politisch isolieren.
«Es muss jetzt über personelle Konsequenzen nachgedacht werden», sagte Schuster. Deutschlands Image in der Welt habe durch diesen Vorfall bereits Schaden genommen.
Antisemitismus «nicht gesehen»
Die Generaldirektorin der documenta, Sabine Schormann, bestritt hingegen ein Versäumnis der documenta: «Es ist nicht die Aufgabe der Geschäftsführung, alle Werke einmal vorab in Augenschein zu nehmen und freizugeben. Das würde dem Sinn der documenta widersprechen», sagte sie.
«Es kann daher auch nicht sein, die Kunst zum Beispiel einem Expertengremium im Vorfeld zur Freigabe vorzulegen.» Dies sei eine Kernaufgabe der künstlerischen Leitung. Das Problem sei gewesen, dass die Kuratorengruppe Ruangrupa keinen Antisemitismus in den ausgestellten Werken gesehen habe. Es sei ihr aufgrund der «unterschiedlichen kulturellen Erfahrungsräume zu spät aufgefallen, dass ein solches Motiv in Deutschland absolut inakzeptabel ist».
Untersuchung und Podiumsdiskussion
Unterdessen hat Schormann eine systematische Untersuchung der Werke angekündigt. «Wir werden das im Verlauf der prozessual angelegten Ausstellung fortlaufend tun», sagte sie der «Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen». Dabei werde auch die indonesische Künstlergruppe Ruangrupa ihrer «kuratorischen Aufgabe gerecht werden müssen». Unterstützt werde diese von externen Experten wie dem Leiter der Frankfurter Bildungsstätte Anne Frank, Meron Mendel.
Zudem will die documenta gemeinsam mit der Bildungsstätte
Anne Frank möglicherweise am kommenden Mittwoch eine
Podiumsdiskussion ausrichten. Ausserdem solle auf dem Friedrichsplatz,
an dem das am Dienstag abgebaute Kunstwerk der indonesischen Gruppe
Taring Padi gezeigt wurde, ein Begegnungsstand mit Vertretern der
Bildungsstätte und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren errichtet
werden. (sda/dpa/epd/mos)