Ein Bischof für die Reformierten

Ein machtloses, aber geistlich kraftvolles Präsidium der schweizerischen evangelischen Kirche wünscht sich der Basler Kirchenratspräsident Lukas Kundert. Er setzt sich dafür ein, dieses Leitungsamt mit dem Bischofstitel zu verbinden.

Portrait von Lukas Kundert,
Lukas Kundert, Basler Kirchenratspräsident. Gion Pfander

«Ich plädiere dafür, dass das Präsidium der schweizerischen evangelischen Kirche den Titel Bischöfin oder Bischof trägt», schreibt Lukas Kundert, Basler Kirchenratspräsident, in seinem soeben erschienenen Buch «Die evangelisch-reformierte Kirche – Grundlagen für eine Schweizer Ekklesiologie». Gleichzeitig stellt er aber auch fest, dass in der Öffentlichkeit mit dieser Bezeichnung Machtansprüche verbunden seien, weil der Symbolgehalt bei diesem Titel zurzeit in der Hand der römisch-katholischen Kirche liege. Dies könne keine reformatorische Kirche dulden.
Die Gefahr des Machtanspruchs relativiert Kundert jedoch im Blick auf die Evangelischen Kirchen der Schweiz: «Alle gesetzgeberische Gewalt geht von der Gemeinde und der Synode aus.» Und weiter: «Es soll jenes Bischofsamt sein, das sich die Reformatoren gewünscht haben: Ein von der Basis kontrolliertes und gewähltes Amt, das von unten nach oben in seinen Funktionen ausgerüstet und beschnitten wird.»
Ob denn eine Präsidentin oder ein Präsident nicht reichen würde, fragt sich Kundert gleich selbst und liefert auch die Antwort: «Nein, und zwar weil wir eine Kirche sind. Weil sich die personale Episkopé als eine geistliche Leitungsfunktion von der Leitungsfunktion eines (Vereins- oder Unternehmens-)Präsidenten unterscheidet.» In einem Interview mit dem «Interkantonalen Kirchenboten» klingt das dann etwas konkreter: «Unser jetziger Kirchenbundpräsident leitet bereits geistlich. (…) Doch man verweigert ihm weitgehend, dass seine geistliche Leitung auch Wirkung entfalten darf.»

Amt wurde nie abgeschafft

Warum die Reformierten einen Bischof brauchen, begründet Kundert im «Kirchenboten» mit dem geschichtlichen Hintergrund: «In der Reformationszeit rechnete man damit, dass der Bischof evangelisch werde. Als dies nicht geschah, übernahm der Rat der Städte quasi vorübergehend die Funktion des Bischofs.» Da die Stadtregierungen diese Funktion im Zuge der Trennung von Kirche und Staat seit dem 19. Jahrhundert abgegeben hätten, sei ein Vakuum entstanden. Das Bischofsamt sei, im Unterschied zur herrschenden Meinung, in den evangelischen Kirchen der Schweiz nie abgeschafft worden.
Im Buch zeigt Kundert weiter, dass dieses Amt nicht nur dieser inneren Notwendigkeit Rechnung tragen würde, sondern auch biblisch belegbar ist und ökumenisch wünschenswert wäre. «Die ökumenischen Gespräche wären dadurch massiv einfacher», meint er im «Kirchenboten». So ist sich Kundert sicher, dass man sich nicht über das Amt streiten wird, jedoch über den Namen: «Vielleicht lautet der Titel dann Superintendent oder Präses wie in einigen reformierten Kirchen Deutschlands.»


 

  •  Buchhinweis: Lukas Kundert: Die evangelisch-reformierte Kirche – Grundlagen für eine Schweizer Ekklesiologie. TVZ-Verlag Zürich 2014.
  • «Brauchen wir einen Bischof?», fragte ref.ch auf Facebook. Der Vorschlag von Kundert findet hier wenig Gefallen.