Fast keine Freizeit, schlechter Lohn und lange und oft unbezahlte Präsenzzeiten: Tausende Osteuropäerinnen kommen für drei Monate in Schweizer Seniorenhaushalte, um zu pflegen, putzen und kochen. Nach dieser Zeit gehen sie nach Hause zurück, um nach weiteren drei Monaten wieder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Sie wechseln sich meist mit anderen Hausbetreuerinnen ab.
Praktisch 24 Stunden am Tag sind diese sogenannten Care-Migrantinnen in Bereitschaft. Das Spazieren mit den Senioren oder das gemeinsame Fernsehen wird oft als Freizeit verbucht und nicht bezahlt. Und so werden die Pflegerinnen oft nur für sechs Stunden pro Tag entlöhnt. Unterstützt werden die Osteuropäerinnen von der Gewerkschaft VPOD (Verband des Personals öffentlicher Dienste). Aber auch die Abteilung Diakonie der reformierten Kirche will sich für sie einsetzen.
Verborgen in den Haushalten
Das Pilotprojekt «Carina» startete im Mai 2013 im Bezirk Horgen. Gabriela Bregenzer von der Fachstelle Migration und Integration leitet es. Die Idee des Projekts ist, dass die Care-Migrantinnen nicht den ganzen Tag nur mit den Senioren zusammen sind, sondern auch Kontakt zu einer aussenstehenden Person haben. Einheimische Frauen sollen als Freiwillige Kontakt pflegen mit den Osteuropäerinnen. «Wir möchten, dass die Care-Migrantinnen weniger isoliert sind.»
Das Projekt steht noch am Anfang. Die grösste Herausforderung sei, in Kontakt mit den Care-Migrantinnen zu kommen. Diese sind verborgen in den einzelnen Haushalten. Deshalb ist die Projektleiterin auf die Pfarrpersonen und Diakone angewiesen, die die Pflegebedürftigen zuhause besuchen und einen Kontakt herstellen könnten. Auch Spitexdienste, die Pro Senectute oder der Besuchsdienst könnten die Care-Migrantinnen an das Projekt vermitteln.
Suche nach Interessierten
Zusammen Kaffee trinken, reden und dabei Deutsch üben: Das wären die Aufgaben der freiwilligen Frauen. «Doch zuerst müssen wir interessierte Osteuropäerinnen finden, erst dann suchen wir Freiwillige», betont Bregenzer. Sie nimmt gerne Hinweise entgegen, falls jemand in seinem Umfeld eine Care-Migrantin kennt.
Am Ende des nächsten Jahres werde sie Bilanz ziehen, sagt Gabriela Bregenzer. Falls sie gute Erfahrungen mit dem Projekt machen konnte, wird es auch in anderen Gemeinden lanciert.
Fachstelle Migration und Integration, Gabriela Bregenzer
Telefon: 044 258 92 39, E-Mail: gabriela.bregenzer@zh.ref.ch