Deutsche Reformierte stellen sich dem demografischen Wandel

Beratungen über die Zukunft der Kirche im ländlichen Raum standen im Zentrum der Frühlingssynode der Evangelisch-reformierten Kirche in Deutschland. Angesichts von Landflucht und wirtschaftlicher Schwächung sei in den Kirchgemeinden ein Umdenken nötig.


Demografischer Wandel und schwindende Einwohnerzahlen in ländlichen Regionen erfordern nach Ansicht des evangelisch-reformierten Kirchenpräsidenten Martin Heimbucher ein Umdenken in den Kirchgemeinden. «Wir können die Trends nicht aufhalten, müssen uns aber auf die Veränderungen einstellen», sagte er am Rande der Synode vom 19. und 20. April im Kloster Möllenbeck (Niedersachsen).

Rund zwei Drittel der reformierten Gemeinden befänden sich auf dem Lande, sagte Heimbucher. Viele seien so klein, dass sie keinen eigenen Pastor mehr hätten. «Nun könnten wir ein Trauerlied anstimmen und beklagen, dass früher alles besser war. Aber das hilft nicht weiter.»

Aufbruch in den Gemeinden ist nötig

Der ländliche Raum sei weder ein sterbender Raum noch eine
Hochglanz-Magazin-Idylle. In etlichen Kirchengemeinden sei der Blick auf die Menschen und ihre Bedürfnisse im Ort verloren gegangen und konzentriere sich zu sehr auf die Kerngemeinde. Nötig sei ein Aufbruch in den Gemeinden. «Wir müssen wieder hinschauen und uns fragen, wo sind die Menschen, wie leben sie und was sind ihre Bedürfnisse», betonte Heimbucher.

Bisherige Erfahrungen zeigten: Wo die Gemeinden sich nicht mehr ausschliesslich um den eigenen Erhalt kümmerten, sondern die Zusammenarbeit mit anderen gesellschaftlichen Akteuren suchten, seien die Kooperationen erfolgreich und zeigten einen bunten Strauss an Möglichkeiten. Auch die Arbeit in den Gemeinden selbst werde sich verändern müssen, unterstrich Heimbucher.

Pastoren sollen Aufgaben abgeben

Schon jetzt gebe es einige erfolgreiche Modelle, in denen sich mehrere kleine und kleinste Kirchengemeinden einen oder zwei Pastoren teilten. Andernorts hätten mehrere Kirchengemeinden ein gemeinsames Kirchenbüro gegründet. Doch müssten die Pastoren noch lernen, Aufgaben abzugeben. «Wir müssen Abschied nehmen von der Rundumversorgung durch den Pastor.» Das Gemeinderatsprotokoll oder die Buchhaltung könnten auch von anderen übernommen werden.

Weitere Themen der Synode waren die Einführung des Reformationstags als allgemeiner Feiertag, ein Gesetz zur Öffnung des kirchlichen Arbeitsrechts, sowie der Einsatz für einen grosszügigeren Familiennachzug für syrische Flüchtlinge.

Zur Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer (Niedersachsen) gehören rund 175’000 Mitglieder in 145 Gemeinden. Sie ist eine der zwanzig Mitgliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland. (epd/no)