Deutsche Methodisten ringen um ihre Einheit

Der Streit um den Umgang mit Homosexualität spaltet derzeit die weltweite Methodistenkirche. Auch in Deutschland bestehen tiefe Gräben zwischen konservativen und progressiven Vertretern. Eine neue Struktur soll nun die Einheit der Kirche erhalten.


Ein konservativer «Verbund» soll traditionellen methodistischen Gemeinden und Einzelpersonen in Deutschland in Zukunft eine Heimat bieten können, erklärte die Kirche am 18. Januar auf ihrer Homepage. Damit soll die jahrzehntelange Auseinandersetzung um die Einbindung lesbischer und schwuler Christen beigelegt werden.

Damit reagieren die Methodisten in Deutschland auf die Spaltung der Kirche auf Weltebene. Dort ist die Bildung einer neuen, traditionell orientierten methodistischen Kirche vorgesehen. Diese wird sich den Angaben zufolge von der Evangelisch-methodistischen Kirche trennen und eigenständig strukturieren. Hinsichtlich der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und der Ordination Homosexueller will sich der fortbestehende Hauptzweig der Evangelisch-methodistischen Kirche dagegen öffnen. Darüber soll im Mai in den USA entschieden werden.

An einem runden Tisch unter Leitung von Bischof Harald Rückert hatten am 10. und 11. Januar in Fulda Vertreter unterschiedlicher theologischer Positionen über die Zukunft der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland (EmK) beraten. Dabei wurde unter anderem vorgeschlagen, dass Gemeindevorstände über Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare in der eigenen Gemeinde entscheiden sollen. In dem vorgeschlagenen «Verbund» soll dagegen die bisherige restriktive Haltung der Kirche zur Homosexualität beibehalten werden.

Gemeinden sollen abstimmen

Dieser «Verbund» soll traditionellen Mitgliedern «Sicherheit in ihrem Glauben» geben, hiess es. Gemeinden sollen abstimmen können, ob sie einem solchen «Verbund» – der in engem Kontakt mit der Kirchenleitung stehen soll – beitreten möchten. Der Vorschlag soll auf der Zentralkonferenz in Zwickau im November dieses Jahres zur Verhandlung vorgelegt werden.

Die Evangelisch-methodistische Kirche ist eine evangelische Freikirche, die aus einer christlichen Erweckungsbewegung in England im 18. Jahrhundert hervorging. Sie zählt in Deutschland rund 51’000 Gläubige in rund 500 Gemeinden.

Die methodistische Kirche ist bewusst nicht nationalstaatlich organisiert, sondern arbeitet über Ländergrenzen hinweg. Die EmK in Deutschland gehört zum Weltrat Methodistischer Kirchen, in dem mehr als 70 Kirchen methodistischer Tradition verbunden sind, zu denen sich über 51 Millionen Menschen zählen. (epd/no)