«Der Messias kommt nicht»: Rabbi Klein ermittelt wieder

Alfred Bodenheimer ist nicht nur Professor für jüdische Literatur- und Religionsgeschichte in Basel, sondern auch Krimiautor. In seinem dritten Buch «Der Messias kommt nicht» zeigt er erneut grosses Geschick, Ungewöhnliches stimmig zusammenzuführen. Eine Buchbesprechung.

Alfred Bodenheimer.
Alfred Bodenheimer. (Bild: Florian Kalotay)

In «Der Messias kommt nicht» freut sich die Hauptfigur auf eine schöne Zeit. Der Zürcher Rabbi Gabriel Klein darf nämlich eine Auszeit nehmen und ein paar Monate an der Universität Basel an einem wissenschaftlichen Projekt mitarbeiten. Er soll einen mittelalterlichen Text neu übersetzen, in dem sich ein Christ und ein Jude über das Kommen des Messias unterhalten.

Aber schon bald wird Kleins Hoffnung auf eine ruhige Zeit fernab des Seelsorgerdaseins getrübt. Sein Basler Amtskollege, dem er eigentlich nur einen Höflichkeitsbesuch abstatten will, bittet ihn um einen Gefallen. Da er selbst krank ist, soll ihn Klein bei einem Seminarwochenende der Gemeinde vertreten. Dieses Wochenende soll nicht nur der geistigen Erbauung während des Sabbats dienen, sondern auch dabei helfen, einen schweren Konflikt innerhalb der Gemeinde zu lösen.

Klein ist alles andere als erbaut, fühlt sich aber verpflichtet zu helfen. Kaum hat das Treffen begonnen, gehen Kleins Probleme los. Als er sich mitten in der Nacht etwas zu trinken holen will, stolpert er und fällt fast die Treppe herunter. Der Basler Professor, der als besonderer Gast an dem Treffen teilnimmt, hilft ihm gerade wieder auf die Beine, als Schüsse fallen.

Ein religiöses Buch als Hilfsermittler

Diese Schüsse waren tödlich. Sie trafen einen der Gemeindevorstände, dessen Streit mit dem Kantor gerade an diesem Wochenende geschlichtet werden sollte. Und dieser Kantor ist verschwunden. Der Kommissar, den Klein schon von früheren Fällen kennt, bittet den Rabbi, sich einmal in der Gemeinde umzuhören.

Klein fühlt sich moralisch wie rechtlich in die Pflicht genommen und beginnt, seine wissenschaftliche Arbeit zu vernachlässigen und mit den Mitgliedern der Gemeinde über die Tatnacht und mögliche Hintergründe zu sprechen.

Lange Zeit tappt Klein im Dunkeln, aber dann bringt ihn der alte Text, an dem er eher lustlos arbeitet, doch noch auf die richtige Spur. Dabei zeigt Bodenheimer wieder einmal grosses Geschick, scheinbar völlig getrennte Aspekte stimmig einander entgegenzuführen. Dass ein Mordfall dadurch aufgeklärt wird, dass sich ein Geistlicher Gedanken über das Kommen des Messias macht, ist wahrlich eine ungewöhnliche Lösung. (sda)

 

Alfred Bodenheimer: «Der Messias kommt nicht». Verlag Nagel und Kimche, Zürich 2016, 204 Seiten, 22.40 Franken.