D: Protestanten eröffnen Festjahr zu 500 Jahren Reformation

Exponenten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) betonen zu Beginn des Festjahres die ökumenische Dimension der Feiern.

Sieht im ökumenischen Feiern die einzige Form, Martin Luthers Bestreben gerecht zu werden: Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. (Bild: Flickr/Christliches Medienmagazin pro)

Der Reformationstag in Deutschland sei ein Tag, der «uns heute zwischen den Konfessionen nicht mehr spaltet», sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, am Montag dem Radiosender WDR5. Er verwies darauf, dass bei der Eröffnung des Jubiläumsjahres am 31. Oktober in Berlin die Martin-Luther-Medaille der EKD an Kardinal Karl Lehmann und damit an einen Katholiken verliehen werde.

Im schwedischen Lund werde zudem Papst Franziskus mit dem Präsidenten des Lutherischen Weltbundes, Bischof Munib Younan, zu einem gemeinsamen Gottesdienst zusammenkommen. «Ich bin fest überzeugt, dass die ökumenische Form, in der wir dieses Jahr begehen, die einzige ist, in der wir wirklich der Intention Martin Luthers gerecht werden», sagte der EKD-Ratsvorsitzende: «Denn Luther wollte nichts anderes als Christus neu entdecken.»

Versöhnte Verschiedenheit

Auch der frühere Vizepräses der EKD-Synode, Günther Beckstein, hob die ökumenischen Akzente des Jubiläums hervor. Die gemeinsame Feier mit dem Papst in Lund sei «ein grosser Fortschritt», sagte der CSU-Politiker und frühere bayerische Ministerpräsident im Deutschlandfunk: «In meiner Jugendzeit waren die Evangelischen und die Katholischen noch wie Hund und Katz‘.» Der Begriff der «versöhnten Verschiedenheit» bringe das Verhältnis zwischen den Konfessionen wohl am besten auf den Punkt.

Die Reformationsbotschafterin der EKD, Margot Kässmann, bezeichnete die Reformation als grossen Schritt der Demokratisierung. Martin Luther habe klargemacht, dass in Fragen des Glaubens jeder Mensch frei sei, sagte sie im Sender Bayern 2. Damit habe er den Weg für die Gewissensfreiheit in Deutschland frei gemacht. Ausserdem habe er gefordert, dass jedes Kind zur Schule gehen solle – «also die Volksschule für alle, gleich welcher Herkunft».

Keine Einmischung in Tagespolitik

Zugleich betonte sie, dass der Reformator nicht als Held verehrt werden solle. Kritisch sehe sie seine antisemitischen Äusserungen, sein Verhalten gegenüber Frauen und seine Rolle im Bauernkrieg, sagte Kässmann im Inforadio RBB. Es gebe aber «Seiten an Martin Luther, die ich unendlich bewundere». Als Beispiele nannte sie seine Leistung zur Übersetzung der Bibel und seinen Mut, den Regierenden seiner Zeit die Stirn zu bieten.

Für die Zukunft empfahl Beckstein der evangelischen Kirche mehr Zurückhaltung in politischen Fragen: «Ich warne davor, dass die Kirche sich in tagespolitische Fragen einmischt. Das sind nicht die Fragen nach der letzten Wahrheit.» Pfarrer seien nicht zwangsläufig die besseren Politiker. Gleichwohl müsse sich die Kirche einmischen, wenn es um die Verteidigung der Menschenwürde geht. Die Kirche müsse sich um die «geschunden Menschen» kümmern. Das bedeute aber nicht, dass zum Beispiel alle Flüchtlinge nach Deutschland gelassen werden müssten. (epd)