Europa

Corona verstärkt Migrationsdruck

Als Folge der Corona-Pandemie wird die Zahl der Flüchtlinge in Europa in diesem Jahr nach Einschätzung der Migrationsorganisation ICMPD steigen. Ein Grund dafür ist die gute Gesundheitsversorgung in Europa.

Die Verfügbarkeit von Impfstoffen und die Versorgung von Patienten sorgten nach Einschätzung des in Wien ansässigen ICMPD (International Centre for Migration Policy Development) mit dafür, dass mehr Migranten nach Europa wollten. «Die gute Gesundheitsversorgung in Europa ist ein Anziehungspunkt für illegale Immigranten», sagte ICMPD-Chef Michael Spindelegger dem «Handelsblatt». «In der EU wird man gratis geimpft. Das ist sehr attraktiv für Flüchtlinge aus Afrika, Lateinamerika und Asien. Deshalb erwarten wir eine Zunahme der illegalen Immigration», so der frühere österreichische Vizekanzler und Aussenminister weiter.

Die ICMPD-Experten beobachten, dass sich die illegale Einwanderung nach Europa neue Routen erschliesse. Als Beispiele nennt das ICMPD die Fluchtrouten vom Libanon ins EU-Land Zypern oder von Mauretanien auf die Kanarischen Inseln. Dort sei die Zahl der Migranten um 900 Prozent gestiegen. In der zentralen Mittelmeerroute über Tunesien legte ihre Zahl im vergangenen Jahr demnach um 155 Prozent zu.

Das ICMPD wurde 1993 auf Initiative Österreichs und der Schweiz gegründet. Der Organisation mit rund 380 Mitarbeitern gehören 18 europäische Staaten an. (sda/mos)