Coach der Thurgauer Religionslehrer

Monika Pallmann beurteilt seit einem Jahr die Lektionen der Thurgauer Religionslehrer, die konfessionellen Unterricht erteilen. Zeit für eine Bilanz: Gute Noten gibt's für den Lektionsaufbau, Verbesserungsmöglichkeiten sieht sie bei der Klassenführung.

Versteht ihre Rolle als Begleiterin: Monika Pallmann. (Bild: Raphael Kummer)

Das Schuljahr ist zu Ende. Damit wird es auch bei Monika Pallmann langsam ruhiger. Rund 80 Unterrichtsbesuche hat sie im vergangen Jahr gemacht, hat Katecheten, Pfarrerinnen und Diakonen eine Rückmeldung zu ihrem Unterricht gegeben. «Fachaufsicht und Fachberatung im Religionsunterricht» heisst ihre Stelle offiziell. «Ich mag das Wort Aufsicht nicht», stellt die 42-Jährige aber sofort klar, «ich sehe mich als Beraterin, nicht als Inspektorin.» Inzwischen habe sich herumgesprochen, dass sie ihren Job mit Wohlwollen mache. «Ich will unterstützen, sagen was gut läuft und wo man etwas verbessern könnte.»

Die ehemalige Pflegefachfrau und Diakonin weiss, welche Herausforderungen der Religionsunterricht an die Unterrichtenden stellt. Die Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern gibt selbst seit 14 Jahren «Reli». In dieser Zeit hat sie auf allen Stufen unterrichtet, auch in einem heilpädagogischen Zentrum. «Mir ist es wichtig, dass ich auch die andere Seite kenne», sagt sie, «sonst hat man irgendwann komische Vorstellungen und realitätsfremde Ideen.»

Gespräch auf Augenhöhe

Pallmann meldet sich immer an, jedoch kurzfristig. «Ich fühle mich sehr oft schon im Voraus willkommen.» Während ihrem Besuch beurteilt sie den Unterricht nach bestimmten Kriterien: Ob sich die Schülerinnen beteiligen oder sie sich auch mal bewegen können, ob der Unterricht einen roten Faden und einen Bezug zum Alltag hat. Sie macht sich aber auch Notizen zu den Räumen, falls der Unterricht «in einer Besenkammer stattfindet».

Danach gibt es eine Besprechung. «Positives stelle ich in den Vordergrund, spreche aber auch Negatives ehrlich an.» Inhaltlich gibt sie kaum Rückmeldungen. «Das Spektrum ist so gross, was man im Reliunti alles machen und wie man es vermitteln kann.» Schliesslich hätten die Unterrichtenden eine Ausbildung gemacht und verstünden ihr Fachgebiet. «Ich würde aber intervenieren, wenn inhaltlich etwas nicht stimmt.»

Knackpunkt Klassenführung

Die Gespräche spiegeln ihr auch die Situation vor Ort. «Religionslehrerinnen sind oft alleine. Manche kommen deshalb richtig in Fahrt beim Erzählen und schätzen den Austausch sehr.» Nach dem Besuch schreibt Pallmann einen Bericht. Diesen erhalten die Lehrkraft und die ressortverantwortliche Person der Kirchgemeinde. Darin gibt sie Empfehlungen ab, entscheiden kann sie aber nicht.

Und was ist Pallmanns Fazit nach dem ersten Besuchsjahr? Sie lobt den Aufbau der Lektionen. «Das machen die meisten sehr gut.» Viele Pfarrer hätten sich das selbst beigebracht. Hingegen sei die Klassenführung oft ein Thema: «Ich habe super geführte Klassen gesehen, aber auch sehr chaotische.» Sie musste in ihrem Bericht deshalb auch schon schreiben: «Die Lehrperson kam nicht zu Wort.» Dann schlägt sie einen zweiten Besuch vor. «Meine Besuche sind ja nur ein Einblick.» Sie selbst setzt im Unterricht auf die Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen. «Sie müssen spüren, dass man sich für sie interessiert.»

Dieser Artikel stammt aus der Online-Kooperation von reformiert., Interkantonaler Kirchenbote und ref.ch.