Christen-Exodus aus dem Irak dauert an

Die vertriebenen irakischen Christen werden nach Einschätzung des Weltkirchenrates in naher Zukunft nicht in ihre Heimat zurückkehren. Der irakische Staat könne ihre Sicherheit noch immer nicht garantieren.


Trotz der sich abzeichnenden militärischen Niederlage der Terrorgruppe «Islamischer Staat» seien die Voraussetzungen für eine Neuansiedlung von Christen im Irak nicht gegeben. Das sagte der Internationale Direktor des Weltkirchenrates, Peter Prove, am 14. August in Genf.

Es bestehe sogar die grosse Gefahr, dass sich der Exodus fortsetze und die verbliebenen schätzungsweise 350’000 Christen das Land ebenfalls noch verliessen, betonte Prove.

Gleichberechtigte Bürger

Die irakische Armee hatte im Juli den «Islamischen Staat» in dessen Hochburg Mossul, in der einst eine grosse christliche Gemeinde beheimatet gewesen war, zwar besiegt. Prove unterstrich aber, dass sowohl Christen als auch Angehörige anderer vertriebener Minderheiten Sicherheitsgarantien des irakischen Staates erwarteten.

«Die körperliche Unversehrtheit steht nach den Gräueltaten des ‹Islamischen Staates› im Mittelpunkt», sagte Prove, der mehrmals mit Delegationen des Ökumenischen Rates der Kirchen den Irak besuchte. Jeder Mensch im Irak müsse «leben können ohne Angst vor Gewalt und Unterdrückung».

Die Christen bräuchten auch rechtliche, soziale und wirtschaftliche Sicherheit, betonte der australische Lutheraner. Christen und andere Minoritäten müssten gleichberechtigte Bürger sein, mit gleichen Chancen wie die muslimische Mehrheit. Der Direktor des Ökumenischen Rates der Kirchen befürchtet jedoch, dass der irakische Staat die nötigen Sicherheiten nicht geben kann.

1,5 Millionen Christen im Irak

Das Territorium des heutigen Irak gehört zu den frühesten Siedlungsgebieten der Christen. Vor der US-geführten Invasion im Jahr 2003 lebten dort gemäss Schätzungen bis zu 1,5 Millionen Menschen mit christlichem Glauben. Die Terrorkampagne des «Islamischen Staates» gegen religiöse Minderheiten, die um das Jahr 2014 einsetzte, führte zur Flucht Hunderttausender Menschen aus dem Land.

Im Ökumenischen Rat der Kirchen sind 350 Kirchen mit mehr als 500 Millionen Christen zusammengeschlossen. (epd)