Buchtipp: Begleitet sterben – Leben im Übergang

Übersichtlich, verständlich, interdisziplinär: Das vorliegende Buch ist ein Gewinn für alle, die sich mit Fragen zum Lebensende beschäftigen.

Klaus Strasser, Klaus Körber, Ernst Richard Petzold (Hg.): Begleitet sterben – Leben im Übergang. Aspekte guter Sterbebegleitung. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh 2013. 272 Seiten, Fr. 40.90. Bild: Reformierte Medien

Gross ist die Zahl der laufenden Neuerscheinungen zu den Themen Sterbebegleitung, Tod, Trauer, Abschiedskultur, und man fragt sich, welche wirklich neuen Erkenntnisse und Ansätze noch publiziert werden können. Gleichwohl ist das kürzlich erschienene Buch der drei Mediziner Klaus Strasser, Klaus Körber und Ernst Richard Petzold aus Deutschland lesenswert und sehr zu empfehlen.

Auch wenn die Autoren speziell bei den Aspekten Palliative Care und Symptombekämpfung (zum Beispiel Schmerz, Unruhe, Angst, Atemnot, Delir, Fatigue) sowie Sterbebegleitung aus medizinischer und psychosozialer Sicht bekannte Aussagen referieren, besticht das Buch durch den übersichtlichen Aufbau, den interdisziplinären Ansatz, die gut verständliche Sprache, die gekonnte Vermittlung von komplexen Inhalten. Es will sich an professionell und ehrenamtlich Tätige richten. Diesen Anspruch löst es auch ein.

Ganz besonders überzeugt die Grundhaltung der drei Herausgeber und ihrer Co-Autorinnen und -Autoren. Spürbar ist das grosse Engagement, das Ringen um ein Begleiten in Würde, um Lebensqualität bis zuletzt, um den Einbezug des Umfeldes Schwerkranker und Sterbender sowie um eine ganzheitliche Sicht des Menschen. Es sind dies oft genannte Schlagworte im Gesundheitswesen, die in dieser Publikation aber wirklich mit Inhalt, einem reichen Erfahrungsschatz und dem Bemühen um konkrete Umsetzung gefüllt sind. Die drei Herausgeber waren lange Zeit nicht nur beruflich gemeinsam tätig mit dem Ziel des gelingenden Begleitens am Lebensende, sie wussten sich auch persönlich verbunden, was sich in der vorliegenden Publikation eindrücklich niederschlägt.


Aufgaben der Ärzteschaft
Ein grosses Kapitel ist den ärztlichen Aufgaben am Lebensende gewidmet. Zum einen werden ethische Grundsätze beleuchtet, zum andern wird die rechtliche Situation rund um Sterbehilfe, Euthanasie, Patientenverfügung in Deutschland und den angrenzenden Ländern (Niederlande, Belgien und Dänemark) erklärt. Der Blick auf die Schweiz fehlt leider.

Höchst spannend ist das Kapitel zu Spiritualität und Religion am Lebensende. Dass der Beitrag von einem Arzt verfasst wurde, ermöglicht nicht nur Einsichten in eine andere berufliche Perspektive, sondern vermittelt auch verschiedenste Anregungen und Fragestellungen – sei es für nichtkirchliche Kreise oder eben gerade auch für kirchliche Insider.


Hospizarbeit – Palliativmedizin
Neben Grossbritannien hat die Hospizbewegung in Deutschland eine lange Tradition. Aktuell stellt sich in unserem Nachbarland aber die Frage, wo sich die Hospizbewegung kurz- und mittelfristig im Gesundheitswesen positionieren kann, will und soll. Geht es darum, sie vermehrt in Palliativabteilungen zu implementieren, soll sie auf kritischer Distanz bleiben oder – wie einst – künftig noch pointierter die Rolle des bürgerschaftlichen Engagements einnehmen? Im Blick auf diese wichtige Frage, die auch auf die Schweiz zukommen wird, initiiert das Buch eine notwendige Diskussion.

Eine weitere Stärke der Publikation sind schliesslich die Beiträge zu verschiedenen Formen der Supervision. Theoretisch fundiert und mit praktischen Beispielen untermauert erläutert der Aufsatz von Cornelia Jakob-Krieger die Möglichkeiten supervisorischer Arbeit. Die Autorin verfügt über eine grosse Erfahrung im Coaching von Ehrenamtlichen.

Der Beitrag von Ernst Richard Petzold beleuchtet den Wert des intervisorischen Austausches für Ärzte, der aus seiner Sicht auch für Ehrenamtliche fruchtbar gemacht werden könnte. Hier liegt Entwicklungspotenzial.

«Begleitet sterben – Leben im Übergang» ist in der Flut von Publikationen im Umkreis von Sterben und Tod in der Tat kein überflüssiges Buch. Es ist ihm eine gute Aufnahme bei Fachkräften und Laien, vielleicht auch bei Angehörigen oder vom Thema direkt Betroffenen zu wünschen.


Elisabeth Jordi ist reformierte Theologin mit Zusatzausbildung in Seelsorge und Palliative Care. Sie arbeitet als Spitalpfarrerin an den Pflegezentren der Stadt Zürich.