Bischöfe massregeln Seelsorgerinnen
Eines ist sicher: Der Zeitpunkt für einen Rüffel war schlecht gewählt. Just am Tag der Abdankung von Papst Benedikt verschickten die katholischen Bischöfe Felix Gmür (Basel), Joseph Bonnemain (Chur) und Markus Büchel (St. Gallen) einen zweiseitigen Brief. Darin ermahnen sie ihre Seelsorgenden, sich bei der Liturgie an die Regeln zu halten. Im Schreiben zum neuen Jahr, welches das Online-Portal kath.ch öffentlich gemacht hat, heisst es unter anderem: «Sie alle wissen, dass nur der Priester gültig der Eucharistie vorsteht, sakramentale Versöhnung zuspricht und die Krankensalbung spendet.»
Damit spielen sie auf Vorfälle an, die im vergangenen Jahr innerhalb der katholischen Kirche für hitzige Diskussionen gesorgt hatten. Zwei Theologinnen hatten konzelebriert (eine Eucharastiefeier geleitet). Dafür bedarf es allerdings einer Ordination als Priester. Und das wiederum ist in der römisch-katholischen Kirche im Gegensatz zur reformierten und vielen christkatholischen Kirchen Männern vorbehalten.
«Grotesk und peinlich»
Der Brief kam bei vielen katholischen Seelsorgenden nicht gut an. Die Zürcher Synodalratspräsidentin Franziska Driessen-Reding bezeichnete ihn als einen als Neujahrsbrief verpackten Rüffel und als «grotesk» und «peinlich».
Kritik und Widerspruch gab es auch von Reformierten. Rita Famos, Präsidentin der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), schrieb auf Facebook, dass patriarchaler Klerikarismus nirgends sichtbarer werde als in der römisch-katholischen Liturgie. «Nicht, weil Bedingungen gestellt werden für das Zelebrieren der Eucharistie, sondern weil Frauen davon ausgeschlossen werden.» Sie forderte ihre «katholischen Schwestern» dazu auf, zu predigen. Dies sei ihnen erlaubt und habe «schon manche Reform eingeläutet.»
Kritik prallt an Bischöfen ab
Auch Sibylle Forrer, reformierte Pfarrerin aus Kilchberg, kritisierte gegenüber kath.ch den Brief. Man könne nicht so tun, als ob die Tatsache, dass in der katholischen Kirche nur Männer Priester werden dürfen, nichts mit einer patriarchalischen Struktur zu tun habe. Ausserdem sollten die Bischöfe die vielen Frauen, die sich an der Basis der katholischen Kirche engagierten, nicht auch noch mit einem Brief massregeln. «Da gäbe es, glaube ich, dringendere Themen. Stichwort Missbrauch.»
An den Bischöfen prallte die breite Kritik indes ab. Der Brief sei kein Rüffel, sondern ein Dankeschön und ein Gruss zum neuen Jahr, sagte Bischof Felix Gmür in einer Reaktion. Ausserdem: «Wir sind eine Gemeinschaft und wir haben Regeln. An diese Regeln müssen sich alle halten.» (eba)