Derzeit sorgt in der zweisprachigen Stadt der Fall eines 64-jährigen Libyers für Schlagzeilen. Der Imam soll in der Bieler Ar’Rahman-Moschee Hasspredigten gehalten haben. Gleichzeitig lebte er in der Region jahrelang von Sozialhilfe.
Anfang August nahmen ihn die Bundesbehörden ins Visier. Auch die Stadt Biel kündigte an, sie kläre mögliche Massnahmen ab. Einen Kontakt zum Imam oder den Moscheeverantwortlichen hat die Stadt bisher aber nicht geknüpft, wie der Bieler Gemeinderat Beat Feurer (SVP) am Freitag vor den Medien sagte.
Mit der nun geplanten Anlaufstelle werde es «deutlich wahrscheinlicher», dass die Behörden von solchen Fällen früher Kenntnis erhalten, wie André Glauser, Leiter der Abteilung öffentliche Sicherheit der Stadt Biel, sagte. Der Stadt gehe es nicht etwa darum, der Denunziation Vorschub zu leisten, sondern Beratung und Hilfe zu bieten, namentlich für Personen, die am Anfang einer Radikalisierung stünden. Wenn allerdings von einer Person oder Gruppe unmittelbar eine Gefahr ausgehe, werde man die Polizei einschalten.
Auf Gemeindeebene bestehe die Aufgabe vor allem in der Prävention von Extremismus und Gewalt, sagte Beat Feurer. «Wir können keine Moscheen überwachen oder schliessen», diese Aufgaben würden auf höherer Ebene liegen.
Nicht nur religiöser Extremismus im Fokus
Die Stelle, die Anfang September ihren Betrieb aufnimmt, wird von zwei speziell ausgebildeten Sozialarbeitenden betreut. Diese beraten Privatpersonen und Verwaltungsstellen und vernetzen sie mit zuständigen Organen oder Fachpersonen.
Die Ansprechstelle befasst sich allerdings nicht nur mit religiösem Extremismus, sondern auch mit anderen Formen, wie politischem Extremismus oder Hooliganismus. Ausserdem umfasst sie auch das Thema Gewalt ganz generell. Wichtig sei, für alle diese Fragen eine einfach erreichbare Anlaufstelle zu haben, betonten die Verantwortlichen.
Fachgruppe gebildet
Seit vergangenem Jahr befasst sich in der Stadt Biel eine Fachgruppe aus Vertretern der städtischen und kantonalen Verwaltung mit dem Thema Extremismus und Gewalt. Die Ansprechstelle ist eine von verschiedenen Massnahmen, die das Gremium realisiert.
Auch die muslimische Gemeinde in Biel ist aktiv geworden: Vergangenes Jahr lancierten Musliminnen und Muslime das Projekt Tasamouh, das einer Radikalisierung von Jugendlichen vorbeugen will. Dazu sind an Schulen, in Jugendzentren oder Moscheen Mediatoren unterwegs. (sda)