Infosekta

Beratungsstelle vor allem wegen Zeugen Jehovas gefordert

Über die Hälfte der Anfragen bei der Infosekta haben sich 2023 um christliche Gemeinschaften gedreht, allen voran um die Zeugen Jehovas. Etwas zurück gingen Beratungen wegen Verschwörungsmythen.

Der Verein Infosekta leistet Aufklärungsarbeit zu sektenhaften Gruppen und Milieus und Verschwörungstheorien. Ein wichtiger Pfeiler ist die Beratung von Angehörigen und Betroffenen solcher Gruppen – unter anderem bietet die Beratungsstelle Selbsthilfegruppen für Aussteigerinnen und Aussteiger an.

Letztes Jahr verzeichnete Infosekta rund 3000 Beratungs- oder Informationskontakte, wie der Verein im jüngsten Jahresbericht schreibt. Damit hielt sich der Beratungsbedarf auf Höhe der Vorjahre. Vier Fünftel der Anfragen kamen von besorgten Angehörigen oder Betroffenen.

Das restliche Fünftel verteilte sich auf Institutionen wie Schulen, Sozialdienste, Opferhilfe, medizinische Praxen oder die Kinder- und Erwachsenenschutzbehörden (Kesb), wie es im Jahresbericht heisst.

Rund 70 Prozent der Fragen betrafen konkrete Gruppierungen, der Rest Verschwörungserzählungen, radikale Impfgegner, Geheimbünde, suggerierte falsche Erinnerungen, satanische Mythenbildung und ähnliches.

Mit 52 Prozent aller Kontakte war das freikirchliche Milieu am häufigsten Thema bei Infosekta. Die Mehrheit davon hatte mit den Zeugen Jehovas und dem Leidensdruck von Aussteigern zu tun. Andere Anliegen betrafen die First Love Church, die mit «grossen Partys» bei Jugendlichen missioniert, oder Kwasizabantu.

Bei Kwasizabantu handelt es sich um eine südafrikanische, evangelikale Sekte, die auch in der Schweiz einen Ableger hat. Die bekannte Chocolatier-Familie Läderach gehörte der Gruppe bis 2019 an und gründete in den 1990er Jahren eine Privatschule im Kanton St. Gallen. Letztes Jahr berichtete das SRF über Misshandlungen von Kindern an der Schule durch Lehrpersonen und Gemeindemitglieder (ref.ch berichtete).

Scientology sorgte mit der Standtätigkeit und der vermeintlichen Drogenprävention für Beratungsbedarf, heisst es weiter. Esoterische Themen machten 25 Prozent der Beratungsgespräche aus, säkulare Themen wie etwa die radikalen Impfgegner knapp ein Fünftel. Neohinduismus war Thema in 3 Prozent der Beratungen, Islam in einem Prozent. (sda/ pef)

Nachtrag: In einer ersten Version des Artikels stand, dass SRF die Missbrauchsvorfälle an der Privatschule aufgedeckt hat. Die Vorkommnisse waren allerdings bereits zuvor bekannt – das SRF hat für seine Recherche mit Betroffenen gesprochen und Berichte der St. Galler Strafverfolgungsbehörden ausgewertet.