Gustavo Gutiérrez

Mitbegründer der Befreiungstheologie gestorben

Er schrieb das Buch, das der Befreiungstheologie ihren Namen geben sollte. Nun ist der peruanische Theologe Gustavo Gutiérrez im Alter von 96 Jahren verstorben.

Der Mitbegründer der lateinamerikanischen Befreiungstheologie, der Peruaner Gustavo Gutiérrez, ist tot. Er starb am 22. Oktober, wie die peruanische Sektion des Dominikaner-Ordens auf Facebook mitteilte. Er wurde 96 Jahre alt.

International bekanntgeworden war Gutiérrez mit dem 1971 erschienenen Buch «Teología de la Liberación», das der Befreiungstheologie ihren Namen gab. Die theologische Strömung verstand sich als Stimme der Armen und kämpfte gegen Armut, Ausbeutung und Entrechtung auf dem lateinamerikanischen Subkontinent.

Zu ihren bekanntesten Vertretern zählten neben Gutiérrez der brasilianische Theologe Leonardo Boff (geb. 1938), der 1980 ermordete Erzbischof von San Salvador Óscar Romero oder der nicaraguanische Priester und Dichter sowie zeitweilige Kulturminister Ernesto Cárdenal (1925-2020).

Unter anderem wegen ihrer mutmasslichen Nähe zum Marxismus wurde die Befreiungstheologie vom Vatikan erbittert bekämpft. 1983 kam es zu einem Eklat, als Papst Johannes Paul II. bei einem Besuch im von den linken Sandinisten regierten Nicaragua Cárdenal öffentlich massregelte. Der damalige Präfekt der Glaubenskongregation Joseph Ratzinger – der spätere Papst Benedikt XVI. – befand die Befreiungstheologie als nicht mit der katholischen Lehre vereinbar. Leonardo Boff erhielt 1985 ein Lehrverbot.

Gutiérrez wurde 1928 in Lima geboren. Er studierte in Lyon, Löwen, Rom und Paris Medizin, Kunst, Philosophie, Psychologie und Theologie. Er lehrte als Professor für Theologie und Sozialwissenschaften an der Katholischen Universität von Peru in Lima. In Spanien wurde er 2003 mit dem Prinz-von-Asturien-Preis ausgezeichnet. (sda/ vbu)