«Den ländlichen Gemeinden gehen die Pfarrer aus», titelt die Berner Zeitung (BZ) in ihrer Ausgabe vom Donnerstag. Stephan Hagenow, Leiter Personalentwicklung Pfarrschaft der reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn, sagt gegenüber der BZ, die Pfarrstellen würden immer öfter in tieferen Pensen ausgeschrieben. Das Gros der Pfarrer arbeite heute zwischen 50 und 80 Prozent, nur 135 der insgesamt 467 Pfarrerinnen im Kanton hätten ein Vollpensum. Hagenow nennt als Grund die Sparmassnahmen der letzten Jahre. Der Kanton habe 2013 den Reformierten 24 Pfarrstellen gestrichen. Das habe aber nicht zu weniger Pfarrstellen geführt, sondern vor allem dazu, dass linear Prozente gestrichen worden seien. Tiefpensen seien für viele Kandidaten aber unattraktiv: «Mit einem Pensum von 50 bis 60 Prozent lässt sich als Berufsanfänger kaum eine Familie ernähren.» Erschwerend komme hinzu, dass in vielen Berner Gemeinden eine Dienstwohnungspflicht herrsche.
Fusionen nicht erwünscht
Die Lösung des Problems könnte einfach sein, schreibt die BZ und nennt Gemeindefusionen als Möglichkeit. Meistens behielten die ländlichen Kirchgemeinden aber lieber ihren 50-Prozent-Pfarrer, anstatt sich einen Vollzeitpfarrer mit den Nachbarn zu teilen. Oft würden dafür geografische Gründe ins Feld geführt, wenn etwa im Berner Oberland die nächste Gemeinde weit entfernt liege. Aber auch andernorts bleibe man lieber für sich. «Solche Strukturen sind historisch gewachsen und schwer zu überwinden», sagt Hagenow. Er dämpft denn auch die Erwartung, dass Bewegung in die Sache kommen wird, wenn ab 2020 nicht mehr der Kanton die Pfarrer anstellen wird, sondern die Kirchen selber: «Die Gemeindeautonomie bleibt hoch, nach wie vor ist eine Pfarrstelle pro Gemeinde garantiert.»