Basler Reformierte kennen nun ziemlich genau ihre Mitglieder

Die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt hat am 22. November auf die Ergebnisse einer grossen Mitgliederbefragung reagiert. Diskutiert wurde auch das tiefrote Budget. Innerhalb von wenigen Jahren ist die Reserve der Basler Reformierten von sieben auf eine Million geschrumpft.


Für die Mitgliederbefragung erhielten 5000 zufällig ausgewählte Mitglieder der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt (ERK BS) im März 2017 einen Fragebogen per Post. Damit wurde rund ein Fünftel aller Mitglieder angeschrieben. Im Schreiben wollte die Kirche angesichts rasant schrumpfender Mittel wissen, wie es um die Kirchenbindung ihrer Mitglieder steht, ob und wie diese erhöht werden kann und ob das einen finanziellen Niederschlag finden könnte.

Der Rücklauf sei mit 25 Prozent «sehr erfreulich» gewesen, heisst es in der Zusammenfassung von Projektleiter Wolfram Kägi. Die Zusammensetzung der Antwortenden nach Alter, Geschlecht oder Quartier sei auch «mehr oder weniger repräsentativ» für die Gesamtheit der Mitglieder.

«Wohlwollende Distanz»

Bei den Antworten gibt es viel Bekanntes. In ihnen zeige sich «das klassische volkskirchliche Phänomen einer wohlwollenden Distanz», schreibt Thomas Schlag vom Zürcher Institut für Kirchenentwicklung. Die Mehrheit fände Kirche wichtig, weil sie soziale Aufgaben wahrnehme, und zahle dafür auch gern Kirchensteuer. Förderung des Glaubenslebens und normale Sonntagsgottesdienste liegen dagegen weit hinten.

Anders fielen die Antworten bei der zeitgleich durchgeführten Online-Befragung aus, bei der alle Interessierten teilnehmen konnten. Die Mehrheit der 744 Antwortenden identifiziert sich stark mit der Kirche. Bei vielen handle es sich um Personen, die «sehr aktiv am kirchlichen Leben teilnehmen», sagt Kägi.

Keine generelle Abbruchtendenz

Aber auch in den Papierantworten kündet nicht alles vom Niedergang der Kirche. Vielmehr zeigen sie, dass sich die Situation sehr stark von Ort zu Ort unterscheidet. Es gebe neben höchst aktiven Gemeinden auch solche, in denen das kirchliche Leben «fast schon zum Erliegen gekommen ist», schreibt Schlag. «Die lange Zeit angenommene generelle Abbruchtendenz kann somit nicht eindeutig bestätigt werden.»

Auch interessant: Ganze 31 Prozent der Antwortenden wären bereit, gelegentlich bei Projekten mitzuhelfen. Aktuell sind aber nur 12 Prozent auf diese Art in das kirchliche Leben eingebunden. Diese Mitglieder müsse man zur Kirche holen und Möglichkeiten für Engagement schaffen und abrufen, empfiehlt der Bericht.

«Wer Zeit spendet, spendet auch Geld»

Von Freiwilligen ist auch am ehesten zusätzliches Geld zu erwarten: Die Umfrage zeigt, dass die Bereitschaft, neben den Kirchensteuern für kirchliche Projekte zu spenden, bei denen am grössten ist, die sich bereits engagieren. «Wer Zeit spendet, spendet auch Geld», folgert Waltraud Mehrhof, Präsidentin der Kommission für Kirchenentwicklung (KKE).

Die Ergebnisse der Befragung sind Grundlage für einen Strategieprozess, der auf der Synode angestossen wurde. Dabei sei es wichtig, dass die Debatte ergebnisoffen geführt werde, sagte Georg Pfleiderer von der KKE. Ebenfalls müsse die grosse Diversität der Antwortenden genügend mitberücksichtigt werden.

Tiefrotes Budget

Der Strategieprozess wird von externen Beratern begleitet. Die veranschlagten Kosten von 125‘000 Franken sind noch nicht im Budget für 2018 enthalten. Auch ohne diese Kosten sei das Budget bereits «tiefrot», sagte der zuständige Kirchenrat David Jenny.

Tatsächlich beträgt das Defizit 2,3 Millionen bei einem Aufwand von 23 Millionen Franken. 2018 kann die Kirche  noch auf die Defizitreserve zurückgreifen. Damit ist im Folgejahr Schluss: Die Reserve sei innerhalb von wenigen Jahren von sieben auf eine Million geschrumpft, bemerkte ein sichtlich besorgter Synodaler. Kirchenrat Jenny antwortete darauf: «Die Finanzlage ist wohl mehr oder weniger dramatisch.»