Antisemitismus: Bereits nominierte Preisträgerin erhält Preis nicht  

Ex-Nationalratin Ruth-Gaby Vermot-Mangold erhält den mit 50‘000 Franken dotierten Fischhofpreis 2014 nicht, obwohl sie bereits nominiert war. Die Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus (GRA) und die Gesellschaft Minderheiten in der Schweiz (GMS) ziehen die Nomination wegen früherer antisemitischen Äusserungen von Vermot-Mangold zurück.

Ruth-Gaby Vermot-Mangold.
Ruth-Gaby Vermot-Mangold. (Bild: parlament.ch)

Die ehemalige SP-Nationalrätin Ruth-Gaby Vermot-Mangold setze sich seit Jahren für die Rechte von Frauen, Kindern und Flüchtlingen ein. Deshalb hätten sie die beiden Sitftungen für den Fischhofpreis 2014 als eine von zwei Preisträgern nominiert.

Nun seien aber GRA und GMS mit einem Zitat von Vermot-Mangold im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt konfrontiert worden («Kleine Aussenministerli», «Facts» vom 5. August 2004).

Das Zitat lautet: «‘Menschenverachtend‘, sagt Vermot über die Lage der Besetzten. ‚Man muss Position ergreifen‘. Ihr selbst gehe angesichts der israelischen Politik die Galle hoch: ‚Manchmal spüre ich sogar Gefühle des Antisemitismus‘, sagt Vermot. ‚Sie verschwinden wieder, wenn ich an die vielen israelischen Frauen und Männer denke, die gegen die Einmauerung der Palästinenser kämpfen.‘»

Nicht vereinbar mit Stiftungszweck

Diese Vermischung von Israelkritik mit Gefühlen des Antisemitismus erachten die Stiftungen als mit den Grundsätzen der Stifterin nicht vereinbar. Man lehne jede Äusserung ab, die Israelkritik mit antisemitischen Färbungen versehe. «Da Frau Vermot-Mangold sich von diesem Zitat weder zum Zeitpunkt der Publikation noch später je distanziert oder dieses bedauert hat, sahen sich die GRA und GMS gezwungen, die Nomination zurückzuziehen», heisst es in einer Mitteilung der beiden Stiftungen vom 3. Oktober.

Die verstorbene Stifterin des Preises, Frau Fischhof-Barth, habe der GRA die Mittel zur Vergabe des Preises im Andenken an ihre Schwester anvertraut, die in Zürich geboren und aufgewachsen war. Die Schwester verlor vor dem Zweiten Weltkrieg aufgrund der Heirat mit einem Belgier den Schweizer Pass. Sie wollte nach Kriegseinbruch in ihre Heimat zurück, doch wurde sie mangels Schweizer Pass nicht mehr eingelassen und mit ihren Kindern und Ehemann den Nazis ausgeliefert und umgebracht.

Der Preis soll aber auch an den verstorbenen Ehemann der Stifterin, Erich Fischhof, erinnern. Er habe als Flüchtling in der Schweiz eine Heimat gefunden, nachdem er als Kind in Österreich unter Antisemitismus und nazistischen Repressionen gelitten hatte. «Die Schweiz war seine Rettung, seine Eltern wurden von den Nazis umgebracht», schreiben die beiden Stiftungen.

Die GRA und GMS bedauern, dass sie bei der Überprüfung der Preisträgerin von der Aussage betreffend antisemitische Gefühle keine Kenntnis hatten. Der Rückzug der Nomination soll die von Ruth-Gaby Vermot-Mangold geleisteten Dienste als Parlamentarierin und Leiterin wichtiger Institutionen in der Schweiz nicht aberkennen. Der Fischhof-Preis 2014 gehe nun allein an Marcus Pfister, Autor und Illustrator.