Menschenhandel

Anschub­finanzierung läuft aus

Seit zwei Jahren haben die Zürcher Landeskirchen ein Projekt finanziert, um Asylsuchenden Opferhilfe zu gewähren. Nun könnten Kantone und Bund übernehmen.

Wer in der Schweiz lebt und Opfer eines Verbrechens wird, hat Anspruch auf finanzielle Unterstützung, beispielsweise in Form einer psychologischen Beratung. Betroffene von Menschenhandel dagegen haben oft im Ausland Ausbeutung erfahren. Laut Opferhilfegesetz wird die Entschädigung aber nur entrichtet, wenn die Tat in der Schweiz passiert ist.

Diesen Missstand wollte die Zürcher Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration (FIZ) beseitigen. Sie hat deshalb vor zwei Jahren ein Projekt aufgegleist, dass die Lücke schliessen sollte. Das Projekt «umfassender Schutz für Opfer von Menschenhandel im Asylbereich» garantiert einen vollumfänglichen Opferschutz, es bietet unter anderem Rechtsschutz, aber auch medizinische und psychologische Unterstützung. Die Finanzierung dafür haben die reformierte und die katholische Zürcher Landeskirche mit dem katholischen Stadtverband Zürich übernommen und dafür einen Betrag von 1,5 Millionen Franken gesprochen.

Nun läuft die Anschubfinanzierung aus, wie das «Regionaljournal Zürich Schaffhausen» von Schweizer Radio SRF am Donnerstag gemeldet hat. Die Kirchen hätten helfen müssen, sagte Franziska Driessen-Reding, Synodalratspräsidentin der katholischen Zürcher Landeskirche, am Radio. Dieser Auftrag stehe im Evangelium, die Kirche habe ihn zu übernehmen, sagte Driessen-Reding sinngemäss. «Ich bin der festen Überzeugung, das belastet unser Gesundheitswesen weniger als die Langzeitfolgen.»

Bund und Kantone arbeiten seit längerem daran, den Opferschutz zu verbessern. Bis 2022 sollen Strategien entwickelt werden, um Opfer zu unterstützen. Die Weichen für eine Anschlussfinanzierung seien gestellt, erläuterte FIZ-Projektleiterin Géraldine Merz im Radiobeitrag. Noch reiche das Geld der Kirchen, und es sehe so aus, als übernähmen danach der Bund und die Kantone. (jow)