Adliswil: Stadt bestimmt über Kopftuch und Kreuz

Wer in Adliswil städtischer Mitarbeiter ist, muss neu damit rechnen, auf politische, religiöse oder weltanschauliche Aussagen, Symbole und Kleidung verzichten zu müssen. Das haben die Adliswiler Stimmbürger am 5. Juni entschieden.

Bald kein Kopftuch mehr? Adliswil darf religiöse Symbole vom Arbeitsplatz verbannen. (Bild: Pixabay)

Der demokratische Entscheid sei zu respektieren, meint Simon Spengler, Bereichsleiter Kommunikation und Kultur der katholischen Kirche im Kanton Zürich zum Abstimmungsresultat. «Es bleibt zu hoffen, dass das neue Statut wirklich mit Augenmass angewandt wird», fügt er hinzu.

Der Theologe weist darauf hin, dass bei einer strengen Auslegung des Statuts nicht nur muslimische Kopftücher verboten werden könnten, sondern auch die jüdische Kippa und das christliche Kreuz. Die Behörden hatten laut Abstimmungsunterlagen allerdings versichert, dass das Tragen von kleinen Schmuckanhängern – etwa das christliche Kreuz – von dieser neuen Regelung nicht betroffen sei. Die neue Bestimmung sei kein Kopftuch- oder Kreuzverbot, hatte sich der Adliswiler Stadtpräsident bereits im Dezember gegenüber kath.ch geäussert.

Die Stimmberechtigten befürworteten am 5. Juni mit 2673 Ja- zu 1682 Nein-Stimmen die Vorlage (»Tages-Anzeiger», 6. Juni). Bereits der Stadtrat und die Mehrheit des Stadtparlamentes hatten sich bereits zuvor dafür entschieden. Mit dem Ja der Stimmbevölkerung hat nun der Stadtrat das Recht erhalten, «im Falle von groben Verletzungen des Neutralitätsgebots konkrete Vorschriften zu erlassen», wie die Stadt in den Abstimmungsvorlagen schreibt. Zudem erhielten damit die städtischen Angestellten die gleichen Vorgaben wie die vom Kanton angestellten Lehrerinnen und Lehrer.

Gegen den neuen Artikel im Personalstatut hatten die Sozialdemokraten und die Grünen das Referendum ergriffen. Diese Verbote würden die Grundrechte der Beschäftigten verletzen, insbesondere jene der Religions- und Meinungsfreiheit. (kath.ch)