Aargauer Reformierte stärken Prävention gegen sexuelle Übergriffe

Seit Januar müssen alle kirchlichen Mitarbeitenden der reformierten Landeskirche Aargau eine verpflichtende Schulung durchlaufen. Damit sollen Grenzverletzungen und sexuelle Übergriffe verhindert werden.

In den Präventionskursen sollen die kirchlichen Mitarbeitenden auf Grenzverletzungen und Risikosituationen sensibilisiert werden. (Bild: Reformierte Landeskirche Aargau/Frank Worbs)

Die Reformierte Landeskirche Aargau hat ein umfangreiches Präventionsprogramm gestartet, um sexuelle Übergriffe zu verhindern. Als wichtigste Massnahme führte die Kirche im Januar obligatorische Schulungen ein, um alle Mitarbeitenden für das Thema zu sensibilisieren.

Für Pfarrpersonen und Sozialdiakone ist neu ein Strafregisterauszug Pflicht. Angestellte, Freiwillige und Ehrenamtliche müssen zudem eine Verpflichtungserklärung zu einem Verhaltenskodex unterschreiben.

Die Kurse absolvieren bis Mitte März mehr als 300 Angestellte, die mit Kindern, Jugendlichen oder Personen in Abhängigkeitsverhältnissen arbeiten. «Es geht um Themen wie Nähe und Distanz, die Klärung des Auftrags oder wie man im Pfarramt, in der sozialdiakonischen Arbeit, im Unterricht oder in der Arbeit mit Jugendlichen die private und die professionelle Rolle trennt», sagt die Präventionsbeauftragte der Reformierten Landeskirche Aargau, Olivia Slavkovsky. Sie und Kerstin Bonk, die Leiterin der Fachstelle Frauen, Männer, Gender, entwickelten die Kurse zusammen mit der Fachstelle Limita.

Verhaltenskodex zum korrekten Umgang

Auf Basis der Kurse entsteht nun ein Verhaltenskodex. «Wir wollen keine Vorschriften machen, sondern mit den Mitarbeitern Verhaltensregeln erarbeiten», sagt Slavkovsky. Etwa wie man Kinder und Jugendliche korrekt begrüsst. Es gehe nicht darum, die Mitarbeitenden unter Generalverdacht zu stellen, sondern den Blick zu schärfen für Grenzfälle. «Es wäre naiv, zu glauben, dass wegen der Kurse nichts mehr passieren könnte. Aber wir können damit Lücken im System erkennen und richtig auf Krisensituationen reagieren.»

Mit ihrer Präventionsarbeit sind die Aargauer führend unter den Landeskirchen. «Wir sollten aber nicht Exoten sein», sagt Slavkovsky. Die Kirche trage als soziale Institution Verantwortung. Die Reaktionen auf die Kurse fielen positiv aus. Obwohl einige Teilnehmer mit einer gewissen Skepsis in die Kurse kamen. «Für viele war es das erste Mal, dass sie zu einer Schulung verpflichtet wurden.»

Kurse helfen, Orientierung zu geben

Die Augen geöffnet hat der Kurs der Jugendverantwortlichen der Kirchgemeinde Zurzach, Sabine Rieder. «Mir wurde bewusst, wie schwierig es ist, einzuschätzen, wie man auf eine Person wirkt», sagt sie. Die Empfindungen der Teilnehmer gingen stark auseinander. Eine harmlose Berührung kann für jemand übergriffig sein. «Hier muss man vorsichtig und sensibel sein.» Deshalb war für sie der Kurs wichtig: als Richtlinie, an der sie sich orientieren kann.

Die Aargauer Synode beschloss die obligatorischen Schulungen, «weil die Freiwilligenkurse nicht von allen Berufsgruppen gleich in Anspruch genommen wurden», sagt Sprecher Frank Worbs. Der Missbrauchs-Gipfel des Vatikans habe gezeigt, dass die Landeskirche bei dem brisanten Thema zum richtigen Zeitpunkt reagierte.

Dieser Beitrag erschien erstmals in bref, dem Magazin der Reformierten.