Aargauer Kinder können an religiösen Feiertagen weiter frei nehmen

Keinen Handlungsbedarf sieht der Aargauer Regierungsrat im Hinblick auf den Unterrichtsurlaub an hohen religiösen Feiertagen. Hintergrund der Stellungnahme ist ein Vorstoss einer SVP-Politikerin.


Die Möglichkeit, für hohe religiöse Feiertage Urlaub zu beantragen, sei im Rahmen der Glaubens- und Gewissensfreiheit verfassungsmässig garantiert. Das schreibt der Aargauer Regierungsrat in seiner am 6. September veröffentlichten Antwort zu einer Interpellation von SVP-Grossrätin Nicole Müller-Boder.

Müller-Boder hatte in ihrem Vorstoss Bezug genommen auf den muslimischen Feiertag Bayram zum Fastenende. Sie schrieb, ihr sei bekannt, dass es deswegen zur Verschiebung eines Sporttages sowie zur Absage einer Schulreise gekommen sei. Es sei stossend, dass «unsere Schulen ihre Aktivitäten nach dem Islam richten». Andersgläubigen Kindern stünden mehr freie Tage zur Verfügung – gemäss Müller-Boder «eine Ungleichbehandlung gegenüber den christlichen Kindern».

Regeln gelten für alle

Der Regierungsrat hält nun aber fest, dass die Gewährung der Glaubens- und Gewissensfreiheit höher zu gewichten sei als der Aspekt einer möglichen Ungleichbehandlung wegen mehr oder weniger freien Tagen. Weiter gebe es die Möglichkeit, Urlaub für besondere Anlässe im persönlichen Umfeld der Schüler zu beantragen.

Diese Regeln seien ausserdem für alle Konfessionen, deren religiöse Feiertage nicht mit dem evangelisch-reformiert beziehungsweise römisch-katholisch geprägten Schulkalender kompatibel seien, gleich. Dazu gehörten neben den Muslimen beispielsweise auch Angehörige der griechisch-orthodoxen oder der serbisch-orthodoxen Kirche, des Judentums, des tamilischen Hinduismus oder des tibetischen Buddhismus.

Schule vor Ort entscheidet

Die Kompetenz, auf ein entsprechendes Gesuch hin Urlaub zu gewähren, liegt bei der Schulpflege. Die Schule vor Ort kann ebenfalls nach eigenem Ermessen Rahmenbedingungen für das Beantragen von Urlaub und zum Aufarbeiten von versäumtem Lernstoff festlegen.

Auf Müller-Boders Frage, wie viele solcher Urlaubstage eingezogen würden und welche Religion am meisten davon Gebrauch mache, hält der Regierungsrat fest, dass der Kanton keinen Überblick darüber habe.

Im Übrigen erachte er es als nachvollziehbar und sinnvoll, dass Anlässe wie Sporttage, Lager und Schulreisen nicht auf Daten gelegt würden, an denen ein beträchtlicher Teil der Schülerinnen gar nicht teilnehmen könne. Es gehe dabei nicht einzig um religiöse Feiertage, sondern auch um die Mitwirkung an Grossanlässen – zum Beispiel am Eidgenössischen Turnfest in Aarau oder an der gemeinnützigen «Aktion 72 Stunden» der Jugendverbände. (sda/vbu)