Aargau: Trotz Überschuss – das Geld wird knapp

An ihrer Sitzung am 7. Juni in Bözberg AG haben die Synodalen der aargauischen Landeskirche unter anderem die Jahresrechnung genehmigt und den Finanzausgleich zwischen den Gemeinden neu geregelt. Diese leiden vermehrt unter sinkenden Steuereinnahmen.

Aargauische Synodale am 7. Juni in Bözberg. (Bild: Marianne Weymann)

Für 2016 gab es zum ersten Mal zwei Jahresberichte: Einen, wie gewohnt, im Hochglanzformat mit Illustrationen, der der Öffentlichkeit als «Schaufenster der Landeskirche» präsentiert wird. Und ein nicht graphisch gestaltetes Dokument, das als Rechenschaftsbericht des Kirchenrats und der landeskirchlichen Dienste zuhanden der Synode dient. «Auf diese Weise wird der öffentliche Jahresbericht schlanker, attraktiver und kostengünstiger», sagte dazu Kirchenrätin Regula Wegmann. Das neue Format wurde einstimmig angenommen.

«Hohes Kostenbewusstsein»

Die Jahresrechnung stimmt auf den ersten Blick optimistisch: Ein Plus von rund 87’000 Franken bei einem Aufwand von gut 11 Millionen. Budgetiert worden war ein Defizit von 100’000 Franken. «Dieses Ergebnis wurde dank Kosteneinsparungen und einem hohen Kostenbewusstsein der einzelnen Dienststellen erreicht», schreibt dazu der Kirchenrat in seiner Einführung. Lucien Baumgaertner von der Geschäftsprüfungskommission wies dennoch auf nicht budgetierte Projektausgaben hin und warnte vor kommenden mageren Jahren. Die Synode solle bei den Ausgaben mehr mitreden können, fand Baumgaertner.

Kirchenrat Hans Rösch meinte dagegen: «Im Moment sind wir der Auffassung, dass das Finanzmanagement des Kirchenrats stimmt.» Aber auch er bestätigte die künftige «finanziellen Herausforderungen». Es gebe sicher immer wieder «Verbesserungspotenzial» und der Kirchenrat sei dankbar für Hinweise in dieser Richtung. Die Synode nahm die Jahresrechnung einstimmig an.

Sinkende Rücklagen

Etwas mehr Zeit nahm die Revision des Personalrechts in Anspruch. Der alte Text von 2003 sei nicht mehr aktuell gewesen, sagte dazu Kirchenrätin Catherine Berger, die Landeskirche habe in ihrem neuen Entwurf Entwicklungen im Bundes- und Kantonsrecht berücksichtigt. Sie wolle mit diesem Reglement ein «attraktiver Arbeitgeber» und ein «gutes Arbeitsklima» sichern. Nur zwei Synodale waren mit dem Entwurf des Kirchenrats nicht einverstanden.

Ausgleichsfonds wird geschröpft

Weniger umstritten als erwartet war der Antrag des Kirchenrats zur neuen Handhabung des Finanzausgleichs zwischen den Kirchgemeinden. Hintergrund ist eine immer stärkere Beanspruchung des Ausgleichsfonds, mit dem finanziell besser gestellte Gemeinden zum Funktionieren von weniger finanzkräftigen beitragen. Im Jahr 2010 wurden diesem Fonds Beträge von rund 140’000 Franken entnommen, im Jahr 2016 waren es schon 815’000. «Immer mehr Kirchgemeinden machen immer grössere Ansprüche auf Defizitbeiträge geltend», schreibt dazu der Kirchenrat.

Nur noch finanzschwache Gemeinden bekommen Geld

Wenn diese Entwicklung weitergehe, sei der Fonds «in absehbarer Zeit erschöpft». Grund sei offenbar, dass Gemeinden ihre durch Mitgliederschwund sinkenden Steuereinnahmen durch Entnahmen aus diesem Fonds ausgleichen wollten, statt strukturelle Anpassungen vorzunehmen. Künftig sollen nur noch wirklich finanzschwache Gemeinden gefördert werden, das Steuereinkommen pro Kopf muss dann deutlich unter dem kantonsweiten Durchschnitt liegen. Auch wenn Befürchtungen laut wurden, dass auf diese Weise kleine Gemeinden benachteiligt würden, nahm die Synode den Antrag des Kirchenrats grossmehrheitlich an.