Am heutigen Freitag startet in Bern zum siebten Mal das Lichtspektakel «Rendez-vous Bundesplatz». Dieses Jahr geht es unter dem Titel «Reset» um die Reformation. Das religiös konnotierte Thema ist ein Novum für diese Veranstaltungsreihe. «Bis vor acht Monaten hat mich die Reformation nicht berührt», bekennt denn auch die Veranstalterin und Produzentin Brigitte Roux vor den Medien. Bis die Anfrage vom Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund (SEK) kam, ob man nicht im Jubiläumsjahr 2017 Bilder zum Thema «500 Jahre Reformation» an die Bundeshausfassade projizieren könnte.
Am Anfang herrschte bei den Veranstaltern Skepsis vor. Katharina Dunigan, SEK-Kommunikationsbeauftragte für das Reformationsjubiläum, erinnert sich an stundenlange Überzeugungsarbeit. Roux holte sich dann noch Rat beim Historiker Martin Hauzenberger. «Ist das nicht furchtbar langweilig?», fragte sie. «Im Gegenteil, das ist hochspannend», kam prompt die Antwort von Hauzenberger, der das Projekt dann auch fachlich begleitet hat. Für ihn geht es dabei weniger um theologische Inhalte, sondern um Geschichte und Politik, um die gesellschaftlichen Umwälzungen, die diese Bewegung vor 500 Jahren in Gang brachte. Daher der Namen «Reset»: «Neustart».
«Glücksfall und Wagnis»
Für den SEK war die Zusammenarbeit mit Roux‘ Unternehmen Starlight Events gleichzeitig «Glücksfall und Wagnis», so SEK-Ratspräsident Gottfried Locher. Bis zum Storyboard mit seinen 18 zu projizierenden Geschichten durfte der SEK noch mitreden. Danach galt: «Wir wissen nicht, was kommt.» Es habe auch einige Diskussionen innerhalb des SEK gegeben, ob man dieses Wagnis eingehen könne, so Locher. Zum Schluss habe sich aber die Meinung durchgesetzt, dass es hier nicht um eine «kirchliche PR-Aktion» gehen solle, sondern um einen «Blick von aussen», der auch die «Schattenseiten der Reformation» zeigen könne. Veranstalterin Roux findet diese Haltung «mutig und sehr vertrauensvoll». Denn ab einem gewissen Moment freue man sich zwar über das Geld, Reinreden sei jedoch nicht mehr erwünscht. «Da geht die künstlerische Freiheit vor.»
Die Künstler sind in diesem Fall Sabine Weissinger und Friedrich Förster vom deutschen Atelier «Casa Magica». Für Weissinger, von Haus aus Religionswissenschaftlerin, war die Arbeit eine «schöne Herausforderung». Denn in der Reformation sei ja vor allem das Wort wichtig gewesen; das Spektakel müsse aber ohne Worte auskommen, nur mit Bildern und Hintergrundmusik.
Eine andere Herausforderung sei das Erarbeiten spezifisch schweizerischer Inhalte gewesen. Dafür wälzten die Künstler Bücher, sammelten Bildmaterial und besuchten Museen sowie die Klosteranlage von Einsiedeln, um auch von der Gegenseite einen Eindruck zu haben. Friedrichs Försters Augenmerk richtete sich vor allem auf das «Zusammenbringen von Gebäude und Thema», die Architektur des Bundeshauses, die Effekte, wenn die Lichtelemente auf den Sandstein treffen.
Das Bundeshaus als Petersdom
Bei der Generalprobe am Donnerstag konnten die Besucher das Spektakel zum ersten Mal vollständig erleben. Das Bundeshaus als Petersdom zum Beispiel, gestikulierende Hände, die die Dispute der Reformatoren darstellen, oder drei Skelette, die auf der Kuppel fröhlich mit den Beinen baumeln.
Danach war man sich einig: Das Wagnis hat sich gelohnt. «Es ist noch schöner, als ich mir vorgestellt hatte», sagte etwa Gottfried Locher. Dabei spiele es auch keine Rolle, wenn man nicht alles verstehe. Die Bilder seien so stark, dass man sich immer wieder einklinken könne: «Hier sieht man ein 25-minütiges Feuerwerk.»