Die Hacker haben am Montag nicht nur die Webseite des IZRS vorübergehend lahmgelegt, sondern nach eigenen Angaben auch sämtliche Daten vom Server gestohlen. Kurz darauf erhielt der Zentralrat ein Drohmail, in dem der Verein aufgefordert wurde, sich vom Terrorismus zu distanzieren und «jegliche Aktivitäten für den sogenannten Heiligen Krieg im Irak oder Syrien sofort einzustellen». Sollte dies nicht geschehen, drohte Anonymous mit der Veröffentlichung «aller relevanten Daten».
Der IZRS hat die Vorwürfe umgehend zurückgewiesen und Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. IZRS-Sprecher Qaasim Illi sagte gegenüber der Zeitung 20 Minuten, welche die Geschichte publizierte, man habe sich immer von Gewalt distanziert und werde den Forderungen nicht nachkommen. Auf seiner Webseite veröffentlichte der Verein am Dienstag eine Stellungnahme, in der es heisst: «Der IZRS betreibt keine ‚Aktivitäten für den sogenannten Heiligen Krieg im Irak oder Syrien‘, die es einzustellen gälte.»
Bekennervideo verstärkt Druck
Daraufhin haben die Hacker ihre Forderungen noch verschärft. Sie stellten ein Video ins Netz, in dem es heisst: «Der IZRS muss sich (…) explizit insbesondere von der Terrorgruppe Islamischer Staat sowie von der Al Kaida klar distanzieren.» Der Sprecher betonte: «Unsere Attacke richtet sich nicht gegen die muslimischen Menschen dieser Welt, sondern ausschliesslich gegen den IZRS und die extremistische Einstellung, welche dieser vertritt.»
Der Vorwurf des Extremismus‘ gegenüber dem IZRS ist alt und durchaus begründet. Der Zentralrat hat in den letzten Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt, weil seine Vorstandsmitglieder radikale Positionen vertraten, oder weil extremistische Prediger als Gastredner in die Schweiz eingeladen wurden. Auch hat er seine Unterstützung für die religiös motivierten Rebellen im syrischen Bürgerkrieg bekundet.
Jedoch muss man dem Verein zu Gute halten, dass er schon Mitte August in einem öffentlichen Statement «jede Form von Gewalt, Terrorismus oder Diskriminierung namentlich gegen Minderheiten wegen ihrer Ethnizität, Rasse oder Religion» verurteilte. Der Islam verbiete die grundlose Gewaltanwendung gegen Menschen, heisst es in der Erklärung. Für die aktuellen Konflikte sei die «rücksichtslose westliche Interessenspolitik» wesentlich mitverantwortlich.