ZH: Stadtrat verärgert Hilfswerke

SP-Stadtrat Martin Waser sorgt bei den Zürcher Hilfswerken für Unverständnis. Er sagte am Dienstag 12. 11. in einem Interview gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet: «Es gibt in Zürich Hilfswerke, die sich engagieren und die sogenannten Wanderarbeiter beherbergen wollen. Das ist ein falsches Zeichen und hat eine gewisse Sogwirkung.»


Dagegen wehrt sich Christoph Zingg, Leiter der Sozialwerke Pfarrer Sieber. Generell stellt er fest, dass es in der Schweiz durchaus Arbeit suchende Migranten ohne festen Wohnsitz gebe. «Unsere Notschlafstellen sind im letzten Winter aus allen Nähten geplatzt.»

Allein von Mitte Januar bis März dieses Jahres seien in 23 Nächten 460 Obdachlose froh um eine Notschlafstelle gewesen. Dabei beobachtete Zingg im letzten Winter, wie auch in den Jahren davor, landesweit eine steigende Anzahl Migranten, die dieses Angebot in Anspruch nahmen.

Zingg stellt klar: «Die Hilfswerke sind sicherlich nicht schuld am Migrationsstrom.» Deren Ziel sei es, jenen zu helfen, die darauf angewiesen seien. Es gehe nicht darum, Menschen in Zürich überwintern zu lassen, vielmehr biete das Hilfswerk Verzweifelten einen Schlafplatz und etwas zu essen. «Die Menschen kamen in die Schweiz, erst dann haben wir ihnen geholfen. Und nicht umgekehrt.»

Notangebote wie jenes der Pfarrer-Sieber-Werke zögen keineswegs Leute aus EU-Ländern an. «Kein Mensch reist für einen heissen Kaffee und einen Schlafplatz durch halb Europa.» Viele kämen in der Hoffnung in die Schweiz, einen Job zu finden und Erfolg zu haben. «Doch wir müssen es ihnen klarmachen, falls sie die nötigen Anforderungen nicht besitzen. Diese Nachricht ist aber leichter zu schlucken an einem warmen Ort mit einem vollen Bauch.»

Die meisten Migranten seien zwar gute Allrounder, aber oft nicht für einen Job in der Schweiz geeignet. Dort leisteten die Pfarrer-Sieber-Werke eine Hilfestellung: «Wir helfen den Leuten bei der Organisation der Weiter- oder Heimreise, besprechen mit ihnen in Ruhe, wie es weitergehen soll. Manchmal sind die Aussichten für die Betroffenen, wieder in das eigene Land zurückzukehren, gar nicht mal so schlecht wie zuerst angenommen.»